Birthdays The Beginning im Test – Happy Birthday, neues Leben!

Das Schöne an Indiegames ist, dass sie uns manchmal in Spielkonzepte eintauchen lassen, die uns fremd erscheinen oder zumindest sehr rar gesät sind. So auch Birthdays The Beginning, bei dem der schon unkonventionelle Name auffällt und auch hält was er verspricht. Aber welches Konzept verbirgt sich hinter dem Spiel, und ist es auch spielenswert?

Birthdays The Beginning

Quelle: NIS America

Bau dir deine Welt

Die Harvest Moon Schöpfer haben sich auf eine alte Stärke besonnen, dem Erschaffen. Daher ist dies auch die Prämisse in dem neuesten Werk. Als Spieler schlüpft man in eine gottgleiche Rolle, in der man als unbekannter Charakter den Cube erkundet, bzw. auch in ihm gefangen ist. Es gilt dem Helferlein Navi zu helfen neues Leben entstehen zu lassen, sodass erste Lebensformen entstehen, Dinosaurier und letztlich auch Menschen, denn dann kann der namenlose Held in seine wirkliche Welt zurück. Die Story ist zugegeben recht überflüssig, aber dafür macht sie auf das Gameplay aufmerksam.

Birthdays The Beginning

Quelle: NIS America

Unsere Spielfläche ist der Cube, ein Würfel. Dieser ist zunächst leer, soll aber schon bald zahlreiche Lebewesen hervorbringen. Zudem werden viele Information zu unserem virtuellen Planeten eingeblendet, wie etwa die Temperatur, das Verhältnis zu Land und Wasser oder Pflanzen und Tieren, sowie der Jahreszahl. Dabei ist unsere einzige spielerische Handlung das Heben und Senken des Bodens. Senkt man den Boden etwa unter 0, entsteht dort Wasser, bzw. flaches Gewässer, Meer oder Tiefseen. Hebt man den Boden an, entstehen Hügellandschaften oder Berge. Daraufhin verändert sich auch die Temperatur, je mehr Wasser es gibt, desto wärmer wird es, je mehr Land es gibt, desto kühler wird es. All dies passiert in der Mikro Perspektive. Hier hat man Einfluss auf seine Welt und sieht wie sie sich verhält. Der Makro Modus zoomt dabei stark hinaus, hier hat man keinen Einfluss auf die Welt, kann jedoch den Zeitraffer einsetzen und in der Timeline Ereignisse einsehen. Zudem lädt sich die Aktionsleiste auf. Denn man kann nicht beliebig den Boden Heben und Senken, das senkt den Balken nämlich, welcher sich nur im Makro-Modus wieder füllen kann.

Das Leben als Prämisse

Und da gibt es auch schon die ersten Geburtstage. Jede neue Spezies wird als „Birthday“ zelebriert, daher der Titelname. Das Spiel feiert das Leben. Anfangs nur Bakterien Arten im Wasser, später Fische und erste Dinosaurier an Land. In der Timeline sieht man nicht nur welche Arten vorhanden sind, sondern auch wie viele es von ihnen gibt und wie sich das Wachstum der Population verhält. Denn entsteht eine Spezies, die sich von einer andere ernährt, könnte das die Art gefährden und sogar für deren Aussterben sorgen. Aber Art entstehen nicht nur aus Zufall. Denn es müssen bestimmte Bedingungen herrschen, die sich mit Anheben oder Senken der Welt bestimmen lassen. So gilt es auch mehr über die Arten herauszufinden, indem man sie einsammelt. Dann erhält man diverse Informationen und kann die Welt so anpassen, dass diese Art gefördert wird. Doch die Welt besteht ja auch nicht nur aus einfachen Boden. Denn je nach Klima und Klimazone entstehen Pflanzenarten und euer erst grau-brauner Boden ergrünt. In hohen bergigen Gegenden, wo niedrige Temperaturen herrschen wachsen bestimmte Gräser oder Nadelbäume, die im Flachland definitiv nicht vorkommen, auch hier gilt es sich Informationen anzueignen.

Birthdays The Beginning

Quelle: NIS America

Das Spiel besteht also zu großen Teilen aus Analysieren -> Verändern -> Warten. Und das in einem Kreislauf. Man muss Dinge und Werte beobachten, dahingehend die Welt anpassen, und ihre Veränderungen im Zeitraffer abwarten, um dann euer Ergebnis zu sehen. Dabei bleibt man nicht immer nur in seinem Umfeld, denn der Cube wächst mit der Zeit, sowohl in der Breite, als auch in der Höhe. Und für die Mathematiker hier: Ja, auch in der Tiefe. Somit entstehen wieder neue Möglichkeiten, die Welt so anzupassen, dass neue Lebensräume für neue Arten entstehen. Des Weiteren gibt es Items, mit man mit dem weiteren Fortschritt dazu erlangt. Diese sorgen etwa für Regengüsse, Klimaerwärmung, mehr HP Punkte oder sogar für eine Flussquelle, also Süßwasser. Dort können wiederrum neue Lebensformen entstehen. In der Kampagne wird einem nur leider nie gesagt wie genau man dorthin kommt, lediglich das Ziel (die Geburt einer bestimmten Spezies) wird vorgegeben. Immerhin gibt es im Glossar und Stammbaum einige Informationen darüber. Angesichts dieses doch sehr seltenen Konzepts wäre das sehr praktisch, so sollte man das Spiel eher den Entdeckern und experimentierfreudigen Spielern überlassen. Denn Anderen kann da schon mal Langeweile aufkommen, denn viel Interaktion gibt es nicht, was ruhigen Gemütern sicher so Recht ist, aber auch ich hätte mich doch über die ein oder andere interaktive Möglichkeit gefreut, statt sich nur aufs Senken und Heben der Oberfläche zu konzentrieren.

Achtung: Steuerung!

Das Spielkonzept verzichtet dabei ganz auf Action und richtet sich an Menschen, die Spiele mit einer gewissen Ruhe angehen möchten. Ruhe braucht man zudem auch, um wegen der furchtbaren Steuerung nicht in Rage zu geraten. Mit der Maus kann ich mich etwa nicht frei in der Welt bewegen, sondern kann nur auf bestimmte Dinge klicken, erst dann fährt die Kamera dorthin. Die Tasten sind völlig konfus angeordnet. So kann ich mit Komma und Punkt für ein Anheben oder Absenken des Bodens sorgen, mit „F“ und „H“ kann ich den Radius dessen vergrößern und verkleinern, mit den Pfeiltasten bewege ich die Kamera, mit „C“ kann ich mich schneller dabei bewegen und mit WASD kann ich ebenfalls meine Radius in der Welt bewegen.

Birthdays The Beginning

Quelle: NIS America

Mit „V“ dagegen gehe ich in den Makro oder Mikro-Modus, mit „B“ kann ich dann einen Organismus scannen. Das sind nicht nur sehr merkwürdig gewählte Tasten, es spielt sich selbst bei eingeübter Ausführung sehr hölzern und unpräzise, oft musste ich gerade in höheren oder tieferen Gebieten zu Beginn oft erst alles richtig justieren und drehen, bevor ich zu meiner gewünschten Stelle gelange. Leider kann ich die Steuerung nicht ändern, ebenso wenig wie Grafikdetails. Die Optik ist jedoch recht gelungen, der Comic Look steht dem Spiel und lässt erahnen, dass es sich um ehemalige Harvest Moon Leute handelt. Ein wenig Minecraft hat sich aufgrund der Blöcke auch verirrt. Der Grafikstil weiß also zu gefallen, auch wenn man an Details nicht allzu viel geboten bekommt, zudem kommt es hin und wieder zu kleineren Clipping Fehlern bei Tieren. Der Sound verhält sich dagegen musikalisch sehr unspektakulär, lediglich viele Soundeffekte untermalen das Geschehen, etwa beim Verändern der Umgebung oder wenn Arten entstehen oder Aussterben, Highlights braucht man dennoch visuell, als auch auditiv nicht erwarten.

Fazit

Birthdays The Beginning ist eine Gott-Simulation, die sich auf etwas sehr schönes spezialisiert hat, die Geburt neuen Lebens. Manch einem mag das jedoch zu langweilig sein, schließlich besteht das Prinzip aus Experimentieren, Analysieren und Warten. Daher kann ich dieses Spiel eher den Leuten empfehlen, die gerne in Ruhe eine Welt erschaffen, beobachten und verstehen lernen möchten. Denn dann kann man auch mal schnell die Zeit in seiner realen Welt  vergessen und das Spiel lieben lernen. Dennoch stört die vermurkste Steuerung den Spielfluss leider deutlich und ein wenig mehr Interaktion hätte dem Spiel sicher auch gut getan. Somit ist es „nur“ ein Spiel, welches ich auf irgendeine Art zwar lieben gelernt habe, mich aber nicht vollends überzeugen konnte.

Good

  • Interessantes Spielkonzept
  • Analytisches Gameplay mit hoher Lernkurve
  • Ruhiges und angenehmes Spielgefühl ....
  • Viele verschiedene Lebensformen

Bad

  • Steuerung des Grauens
  • Story ist überflüssig
  • .... dem jedoch etwas vielseitigere Interaktion gut gestanden hätte
7.3

Gut

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