Der Kaiser von China – Total War: Three Kingdoms im Test

Nachdem die Total War Reihe einige Ausflüge ins Fantasy-Gefilde und zuletzt wieder einen Abstecher ins Mittelalter machte, geht es nach langer Zeit wieder nach Asien. Mit der Rückkehr zum Kontinent, wo die Reihe ihren Ursprung feierte, will man auch wieder an alte Erfolge anknüpfen. Ob dieser Kampf erfolgreich ausgegangen ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Der Kampf um Macht

Total War

Quelle: Sega

Die Serie führt uns dorthin, wo sie ihren Ursprung hatte. Das ferne Asien ist das Ziel, anders als in den Shogun Ablegern geht es aber nach China, wo Machtintrigen um 200 nach Christi Geburt ausgefochten werden. China ist ein sehr interessanter Schauplatz, aber keiner, bei dem man sofort im geschichtlichen Geschehen ist. Oder sagen euch Cao Cao, Yuan Shao oder Gongsun Zan etwas? Falls ja, habt ihr von der ersten Sekunde an Spaß mit diesen Figuren, wenn nicht, dann wird alles zunächst befremdlich wirken. Schließlich kennt man als durchschnittlicher Europäer die bedeutenden Figuren und Fraktionen nicht. Insofern wurde ich in einen Konflikt geworfen und brauchte einige Stunden, um so richtig mit dem Setting warm zu werden. Ohnehin ist der Einstieg nicht ganz einfach, das Tutorial ist eher ein Crashkurs und vieles was das Spiel zu bieten hat, wird oftmals nicht detailliert genug erläutert. Es ist durchaus hilfreich alter Total War Veteran zu sein, denn im Gegensatz zu den letzten Teilen der Reihe, ist Three Kingdoms wieder richtig komplex. Aber selbst als Kenner der alten Teile war ein bisschen Lernarbeit angesagt, sprich: Learning by Doing! Zudem sind einige Menüs sehr unübersichtlich und verschachtelt, weshalb man sich nur mühsam zwischen die vorhandenen Infos durcharbeiten kann. Auch eine längere Eingewöhnungszeit kann diesen Makel nicht begrenzen.

Total War

Quelle: Sega

Auf der Weltkarte geht man aber zunächst in typischer Total War-Manier den wirtschaftlichen und diplomatischen Geschehnissen nach. So gilt es Geld einzunehmen, Rohstoffe zu sammeln und Nahrung für die Bevölkerung zu produzieren. Denn nur wenn ihr dies tut kann eure Bevölkerung wachsen, dazu muss aber auch der nötige Wohnraum geschaffen werden, was wiederum nur mit dem nötigen Kleingeld funktioniert. Ortschaften, die jedoch auf Landwirtschaft ausgelegt sind, eignen sich weniger gut, wenn mal eine feindliche Armee anklopft. Ihr seht schon, es gibt wieder reichlich Zusammenhänge, die die Kampagnenkarte so reizvoll macht. Somit muss stets abgewogen werden, was genau wo und wann gebaut werden soll. Und das wenn ihr gerade keine anderen Sorgen habt, denn läuft mal etwas nicht so rund, könnte eure Bevölkerung Probleme bereiten. Nahrungsmittelknappheit, zu viele Kriege oder Geldnot wirken sich negativ auf die öffentliche Ordnung aus.

Dazu können sich sogar Generäle aus den eigenen Reihen gegen euch verschlagen oder versucht sein eigene Interessen durchzusetzen. Da muss man schon mal den Überblick behalten. Gerade das könnte für manchen Spieler zunächst leicht überfordernd werden, denn neben den ganzen innenpolitischen Dingen kommen noch so manche kriegslustige Nachbarn dazu. Wer die ersten zwei, drei Stunden allerdings gemeistert hat, der sollte langsam ein Gefühl dafür bekommen, wie die Zusammenhänge verlaufen und ab dem Zeitpunkt wird Total War: Three Kingdoms dann erst richtig spannend.

Weit gedacht

Total War

Quelle: Sega

Denn wer zum Kaiser aufsteigen will, um die Herrschaft zu gewinnen, der sollte neben Schwert und Schild auch seinen Mund benutzen. Diplomatie ist das Stichwort. Zwar kennt man dieses Feature bereits von der Serie, so richtig großen Einfluss bekommt das Feature allerdings erst jetzt. Denn neben vielseitigen Handel, den ich betreiben kann, wie etwa Personal, Waffen oder Zubehör abzugeben, ist es auch möglich ganze Gebiete per Diplomatie zu erobern oder abzutreten. Eine grüne, bzw. rote Zahl zeigt euch an, ob euer Gegenüber von dem Angebot angetan oder eher abgeneigt ist. Dabei spielt es auch eine Rolle, wie stark die Fraktion ist mit der ihr handelt, oder über welche Ressourcen sie verfügen. Ich kann zum Beispiel regelmäßige Zahlungen erhalten, wenn ich dafür überschüssige Nahrung verkaufe. Allerdings sind die Erlöse hier natürlich nicht so ertragreich, wenn man Handelspartner selbst über genügend Landwirtschaft verfügt. Aber vielleicht kann ich auch Sympathien mit einem Nichtangriffspakt gewinnen. Bei befreundeten Herrschern können sogar Personen aus dem Stammbaum zur Heirat vorgeschlagen werden. Das verbindet die Fraktionen noch mehr.

Die diplomatischen Möglichkeiten sind enorm vielseitig und sind ein cleveres Instrument. So konnte ich in einer Kampagne unheimlich viel Geld einnehmen, weil zwei verfeindete Fraktionen, die deutlich schwächer waren, sich aber mit mir im Krieg befanden, regelmäßig Zahlungen an mich abtraten, damit ich sie im Gegenzug nicht angriff. Ich hätte mit einem Feldzug auch schnell alles einverleiben können, allerdings befanden sich unter den Ortschaften kaum welche mit Landwirtschaft, weswegen ich nicht genug Nahrung für die gestiegene Bevölkerung gehabt hätte, somit baute ich mit dem errungenen Geld zunächst meine Nahrungsproduktion aus, und eroberte erst später die beiden unterlegenen Fraktionen.

Total War

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Dieses Taktieren, Überlegen und Abwägen macht einfach den großen Reiz aus. Immer wieder wird man mit neuen Situationen konfrontiert, manches mal kann man auch die jeweilige Entscheidung nicht mit einem klaren „gut“ oder „schlecht“ bewerten. Etwa ob ich einen Deserteur umbringen oder laufen lassen soll. So könnte mein Ansehen oder Vertrauen in der Bevölkerung sinken, andererseits könnte ich auch Angst mit meinen Handlungen verbreiten. Welch ein Herrscher ich sein will, das hängt von meinen Entscheidungen ab. Auch welche Reformen ich freischalte ist für meinen Führungsstil prägend. So gibt es verschiedene Zweige, die etwa meine landwirtschaftliche Produktivität erhöhen, neue Gebäude freischalten oder mir militärische Vorteile verschaffen.

Nicht gerade heldenhaft

Aber worauf man definitiv noch näher eingehen sollte, sind die Charaktere. So gibt es verschiedene Posten innerhalb meiner Fraktion, die besetzt werden können, wie etwa ein Kommandant, Premierminister, ein Kanzler oder mehrere Verwalter. Hierfür kann ich Familienmitglieder, aber auch Adlige benutzen. Jeder von Ihnen hat seine eigenen Kompetenzen, dazu können nach und nach Fähigkeiten mithilfe von Fähigkeitspunkten erworben werden.

Total War

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Noch mehr Kniff hat aber die Wahl der Generäle. Denn es gibt fünf verschiedene Klassen, die mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften daherkommen. Der Kommandeur steigert etwa die Moral und Kampfkraft und hat eine Nahkampf-Kavallerie als Gefolge, der Stratege hingegen kann sogar Belagerungsmaschinen mit sich führen. Somit muss auch hier wieder genauestens überlegt sein, welche der fünf Klassen man mit in seine Armee aufnimmt, denn dort haben nur bis zu 3 Generäle Platz. Eine eierlegende Wollmilchsau kann man also nicht mehr als Heer anheuern. Das bringt richtig taktische Würze in die Gefechte.

Im Standard Spielmodus sind die sogenannten „Helden“ dann Dreh und Angelpunkt. Diese Einheiten sind enorm stark, aber das eigentlich besondere ist das Duell. Ist man nahe genug an einem feindlichen Helden, kann dieser zu einem Duell herausgefordert werden. Mit schönen Animationen kämpfen diese dann gegeneinander, während die Armeen drum herum Sicherheitsabstand halten und auch nicht dazwischen gehen. Wer die besseren Werte hat gewinnt dann schlussendlich auch. Das sieht ein, zwei mal schick aus, aber spätestens dann geht man nicht mehr ins Duell, sondern kümmert sich um die reiche Schlacht. Denn einen spielerischen Mehrwert bieten die Helden-Duelle nicht und Spannung bringen diese auch nicht in die Gefechte. Kurzum: Sie sind überflüssig.

Wo Licht ist...

Total War

Quelle: Sega

Im historischen Modus gibt es dieses Feature nicht und die Gefechte orientieren sich damit an den klassischen alten Total War Teilen. Auch verschiedene Formationen können eingenommen werden, sogar innerhalb einer Formation gibt es noch verschiedene Ausrichtungen für jeweilige Einheiten. Die KI ist aber auch hier wieder eine altbekannte Schwäche. In der Regel stellt sie sich einigermaßen vernünftig an, nicht selten aber ließen sich feindliche Einheiten aber seelenruhig von meinen Bogenschützen unter Beschuss nehmen. Erst nachdem einige Reihen schon umgefallen waren setzten sich die Soldaten dann in Bewegung. Ansonsten gibt es aber auch Lichtblicke, wie etwa flankierende berittene Soldaten, die in meine Bogenschützen rein preschten.

Somit gibt es hier wahrlich Licht und Schatten. Insgesamt machen die Schlachten aber wieder Laune, auch weil sehr große Einheiten möglich sind, und große Schlachten sind doch die schönsten Schlachten. Denn bis auf ein paar hakelige Animationen sieht das Schauspiel wieder sehr imposant aus, gerade wenn bei Nacht brennende Pfeile auf die Feinde rasseln und enorme Massen von Kriegern sich gegenüber stehen, vorausgesetzt eure PC macht hier mit. Spielerisch fehlt hier aber der Fortschritt. Der Helden-Modus als große Neuerung geht komplett unter, da er für das Gameplay komplett irrelevant ist. Anders als auf der Kampagnenkarte fehlen hier Innovationen, die die Gefechte mal auf ein neues Level heben würden.

Fazit

Endlich wieder feinste Total War Kost! Mit Three Kingdoms traut sich die Reihe wieder die einstige Komplexität zu. Einzig das Tutorial und das fremde Setting erschweren den Einstieg, letzteres kann nach einigen Stunden dann dafür aber richtig begeistern. Die wirtschaftlichen, politischen und besonders die verbesserten diplomatischen Möglichkeiten motivieren unheimlich, zudem bringen die Charakterklassen der Generäle zusätzliche Taktik ins Spiel. Dagegen fallen die Helden komplett unter den Radar, auch die spielerisch irrelevanten Duelle während einer Schlacht erweitern das Geschehen nicht sinnvoll. Schade, denn in den Gefechten hätten einige Neuerungen nicht geschadet. Dessen ungeachtet lässt sich behaupten, dass Three Kingdoms klar alte Tugenden aufgreift und es mich als alten Fan der Reihe nach einem zuletzt weniger starken Ableger versöhnlich stimmen lässt.

Good

  • Spannendes Setting...
  • Große Map mit vielen Fraktionen
  • Erweitertes und tieferes Diplomatie-System
  • Interessante Charakter-Klassen
  • Komplexere wirtschaftliche und politische Zusammenhänge
  • Ausgebautes Charaktersystem

Bad

  • ... welches einiges an Einarbeitung erfordert
  • Unübersichtliche Menüs
  • Sinnlose Helden-Duelle
  • Gefechte ohne Innovationen
8.3

Toll

The Guy who loves Videogames

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