Splatoon Review – Nur Matschepampe oder farbenfroher Shooterspaß?

Spätestens seit der E3 wissen wir, dass Nintendo nicht mehr all zu viel Energie in die WiiU steckt. Auch kann man Nintendo unterstellen, bei der Markteinführung der WiiU nicht das glücklichste Händchen bewiesen zu haben und auch generell mit der WiiU nicht grade nen großen Hit gelandet zu haben. Aber man kann Nintendo nicht vorwerfen, dass es ihnen an Ideen mangelt. Splatoon, um das es hier geht, ist da ein passendes Beispiel. Hier hat man sich an einen Shooter der etwas anderen Art gewagt und versucht das ganze mit einer frischen Optik und Gameplay zu versehen. Auch wurde hier ein Onlinemultiplayer eingebaut, den Nintendo ständig weiterzuentwickeln und mit neuen inhalten auszustatten versucht. Mal sehen ob Splatoon ordentlich Dampf unter der Haube hat oder dem Spiel doch schnell die Puste ausgeht.

Um was es geht…

Splatoon_Artwork2In Splatoon schlüpft ihr in die Haut eines Inklings, einem Hybriden aus Mensch und Tintenfisch. Die Inklinge haben eine Leidenschaft für Farbe und zudem die Fähigkeit sich nach belieben in kleine Tintenfische zu verwandeln und in ihrer eigenen Farbe zu schwimmen. Aber auch ein Gefühl für coole Mode und vor allem das Messen mit anderen Inklingen werden ihnen mit der Tinte in die Wiege gelegt.

Inkopolis ist ihre Heimatstadt. Die Inklinge messen sich gerne in kleinen Revierscharmützeln, in denen immer 4 gegen 4 antreten. Dabei treffen sich Inklinge aus der ganzen Welt auf den Kampffeldern. Hierbei haben sie verschiedene Wettkampfarten entwickelt. Entweder geht es darum möglichst viel Territorium mit seiner eigenen Farbe einzudecken und den Gegner somit zurückzudrängen oder sie legen bestimmte Zonen fest und versuchen dort die Herrschaft zu erlangen. Am Ende wertet der Miezrichter welches Team gewonnen hat. Und so geht es schon seit Jahrtausenden. Heutzutage haben die Inklinge gar fantastische Waffen und Methoden entwickelt um sich in diesen beiden Disziplinen, Standard- und Revierkampf zu beweisen. Auch scheuen sie das direkte Duell nicht. Hauptsache es geht ordentlich bunt zu!

Inkopolis, ein kurzer Reiseführer

Wenn man Splatoon einlegt und startet kommt man ohne große Umwege nach Inkopolis. Diese Stadt bietet alles, was das Inklingherz begehrt. Vom Klamottenladen, Waffengeschäft bis hin zum Schwarzmarkthändler ist alles dabei. Die Stadt dient euch hierbei als Hubworld, wo ihr euch auf die Missionen oder Multiplayerkämpfe vorbereiten könnt. Auf einem zentralen Platz gelegen ist alles leicht zu erreichen oder via Schnellauswahl auf dem Gamepad anwählbar. Gehen wir mal auf kleine Stadttour und sehen uns an, was es da alles zu entdecken gibt:

Splatoon

Quelle: Nintendo

Kleider machen Leute…äh, Tintenfische

Inklinge lieben Mode und das aus gutem Grund. Die Kleidung in Splatoon trägt nämlich dazu bei, dass ihr euren eigenen Spielstil gestalten könnt. Denn die Kleidung bringt euch verschiedene Zusatzeffekte, die euch im Kampf nützlich sein können. Die Spezialfähigkeiten können sich dann unter anderem so auswirken, dass ihr euch schneller bewegt, beim Schießen weniger Tinte verbraucht oder eure Spezialwaffe sich schneller auflädt. Es gibt jeweils Schuhe, Shirts und Kopfbedeckungen, die alle bis zu 4 verschiedene Fähigkeiten haben können. Mit jedem Level dass ihr aufsteigt, erweitert sich auch die Kollektion.      

Lieber der N-ZAP85 oder doch eher den Dual-Platscher? Die Qual der Wahl

Splatoon_screenshot2 Wenn es um Waffen geht sind die Inklinge sehr kreativ und vor allem wählerisch. Bei Arty im Waffenladen werdet ihr euch fühlen wie ein kleiner Baby-Tintenfisch im Süßigkeitenladen. Hier gibt es für jeden Inkling die passende Waffe. Egal ob ihr lieber im Dauerfeuer Farbe unter euren Feinden verteilt oder doch eher mit gezielten Schüssen eure Gegner einfärbt. Jede Waffe hat seine Eigenarten. Einige haben kurze Reichweiten, dafür guten Schaden und Feuerrate. Andersrum eben gibt es auch Waffen mit denen ihr aus der Entfernung agiert und euren Freunden Rückendeckung gebt.

Jede Waffe hat zudem eine Sekundärwaffe wie z.B. den Sprinkler, der stationär einen kleinen Bereich langsam mit eurer Farbe eindeckt, die Klecksbombe oder die Tintenmine. Aber das ist noch nicht alles. Während des Kampfes füllt sich langsam eure Spezialwaffe auf und wenn die geladen ist, könnt ihr gar großartige Fähigkeiten einsetzten. Sei es ein Bombenhagel aus Klecks- oder Haftbomben, das Tinteninferno oder die Verwandlung in den Tintentitan. So viele Möglichkeiten, spürt ihr schon das Jucken am Abzugfinger?  

Oktodistrikt, Duell-Dojo und Schwarzmarkt

In Inkopolis gibt es noch andere interessante Orte, die sich zu besuchen lohnen. Geht ihr zum Oktodistrikt könnt ihr helfen die Elektrowelse, die die Oktarianer aus Inkopolis gestohlen haben zurückzuholen. Dort müsst ihr euch durch verschiedene Ebenen kämpfen, die alle eure Fähigkeiten fordern. Üben könnt ihr diese Fähigkeiten im Duell-Dojo. Aber auch nur, wenn ihr einen passenden Inkling zu euch nach Hause einladet, der euer Trainingspartner ist. Hier heißt es Tintenfisch gegen Tintenfisch im ruhmreichen Duell.

Der letzte interessante Ort ist die kleine Gestalt mit der zotteligen Frisur die sich in einer abgelegenen Ecke Inktopolis aufhält. Dort könnt ihr nämlich Klamotten kaufen, die ihr bei anderen Inklingen gesehen habt. Aber woher der kleine Typ die Sachen herbekommt, fragen wir besser nicht. Man will sich ja nicht unnötig Ärger einhandeln oder?

Multiplayerspaß mit Kinderkrankheiten

Der absolute Schwerpunkt von Splatoon liegt auf dem Multiplayer. Dieser besteht wie bereits erwähnt aus dem sogenannten Standartkampf und dem Revierkampf. Hier treten immer zwei 4er Teams gegeneinander an. Die Mitglieder der Teams werden hierbei zufällig bestimmt.

Im Standartkampf versucht ihr und euer Team so viel vom Spielfeld wie möglich in der eigenen Farbe zu streichen. Das Gegnerteam wird das natürlich verhindern wollen und seinerseits alles in Farbe tauchen. Dabei geht es eben mehr darum, mit seinen Waffen und Fähigkeiten das Spielfeld zu beherrschen als Gegner zur Strecke zu bringen. Natürlich hilft es auch seine Gegner aus dem Weg zu räumen, da diese dann in einem großen Klecks eurer Farbe verschwinden, aber es ist eben nur Nebenwerk. Das eigentliche einnehmen der Map ist vorrangig vor Killverhalten. Wer sich daran nicht hält, wird es schwer haben zu gewinnen. Gutes Teamplay kann hierbei der Ausschlag gebene Punkt sein, denn wer darauf guckt was seine Teamkameraden machen, kann das Spiel weiter vorranbringen. Mal über einen Seitenarm der Map den Gegner umlaufen und seinen Bereich mit der eigenen Farbe einfärben kann manchmal genau so effektiv sein wie das Sammeln und gemeinsame Tentakel an Tentakel kämpfen. Wer am Ende die meiste Farbe und somit das meiste Gebiet eingenommen hat gewinnt.

Im Rangkampf wird das ganze etwas anders angegangen. Wie der Name schon verrät, hat das ganze etwas mit Rängen zu tun. Nämlich mit eurem eigenen. Wenn ihr Spiele im Rangkampf gewinnt, erhaltet ihr Punkte, die euren Rang steigen lassen. Das geht von –C / C / +C   -B / B +B usw. und bestimmt, mit welchen Gegnern ihr euch messen dürft. Denn im Rangkampf werdet ihr auf Gegner vergleichbaren Ranges treffen und diese Ränge könnt ihr euch in 2 verschiedenen Spielmodi verdienen.Es gibt den Revierkampf und neu, seit dem Patch der während des Testens erschienen ist, die Turmeroberung.

Im Revierkampf müsst ihr markierte Gebiete mit euer Farbe einnehmen und versuchen zu halten bis ein Counter abgetickt ist. Auch hier ist Teamwork der Schlüssel zum Erfolg. Wer planlos über die Map rennt und seine Fähigkeiten nicht passend nutzt, verliert. Die Turmeroberung ist so aufgebaut, dass es in der Mapmitte einen Turm gibt, der auf Schienen steht. Wenn ein Team den Turm für sich beansprucht, indem sie sich auf den Turm stellen, wandert dieser langsam auf den Schienen in Richtung Zielpunkt, der in der gegnerischen Hälfte liegt.Splatoon_scrennshot 5 Wer es schafft den Turm ins Ziel zu bringen oder es am nächsten heranschafft, gewinnt.

Der Multiplayer von Splatoon ist an sich ziemlich gut konzipiert: Die Runde dauern nicht zu lange (4 Minuten in der Tumeroberung und 2 Minuten in den anderen Spielmodi), das Gameplay ist ziemlich präzise und gut zu beherrschen. Hierbei sei erwähnt, dass ihr das Spiel auch durch Neigen und Senken des Pads steuern könnt, was erstaunlich gut funktioniert. Die Maps sind immer gespiegelt und bieten mit vielen Ebenen und Verbindungen einen guten Spielfluss und, das ist mitunter ja das wichtigste, es macht einfach Spaß. Hierbei sei aber zu erwähnen, dass ihr immer auf zwei festen Maps spielt. Der Mappool wird dabei alle paar Stunden wieder verändert, so dass immer durch die Maps rotiert wird.

Auch das Ausrüsten des eigenen Inklings durch Klamotten und Waffen ist nett gemacht und sorgt bis Level 20 für einen guten Motivationsschub. Wenn es dann im Team noch stimmt und man mit erfahrenen Leuten spielt, steht dem Spielspaß eigentlich nichts im Wege. Aber der Multiplayer hat auch so seine Schwächen, die eigentlich zum Großteil ziemlich unnötig sind. Fangen wir mit der Teamzusammenstellung an. Jede Runde werden die Teams neu gemischt. Was einerseits für ein faires Verhältnis sorgen kann, andererseits aber das Spielen mit einem Freund zusammmen nicht möglich macht. Sich also zum Splatoon zocken online verabreden, ist im Prinzip ziemlich unsinnig, da man wahrscheinlich eh nicht zusammen zocken kann und das, obwohl es die Option mit einem Freund zu spielen in der Lobby gibt.

Dann gibt es bei den Waffen auch einige Probleme. Es gibt ja Fern- und „quasi“ Nahkampfwaffen. So auch die Farbroller, die sich als völlig overpowert herausstellen. Diese haben einen viel zu hohen Schadenswert, was im Grunde heißt, vor euch taucht jemand auf, haut zu, ihr platzt und der Typ verschwindet wieder in der Tinte. Wäre ja nur halb so schlimm, wenn das Ding nicht auch noch auf mittlere Distanz einen Fernangriff besitzen würde, der mindestens genauso hart reinhaut wie Standartfernkampfwaffe auf gleichem Schadensniveau. Diese Waffe wird natürlich im Multiplayer gerne genutzt, aber jemand wie ich, der mit dem Ding überhaupt nicht zurecht kommt, fühlt sich da ziemlich in die Ecke gestellt. Jetzt könnte man meinen: „Hey mit gutem Teamplay kann man sowas doch auskontern.“, und da würde ich zustimmen, wenn Nintendo einem diese Möglichkeit geben würde.

Das ist etwas, was ich bei vielen Games von Nintendo vermisse, dass es keine ausreichende Austauschmögklichkeit gibt, die man während des Spielens zum koordinieren des Teams nutzen kann. Dem Spiel wurden ganze 2! Emotes gegönnt, mit denen man sich verständigen kann. Nämlich: „Zu mir!“ und „Cool“. Das wars. Zu wenig, einfach zu wenig. Grade wenn man ein Spiel auf Teamplay auslegt, sollte das Team doch miteinander kommunizieren können. Das ist auch der größte Kritikpunkt an dem Spiel.

Elektrowelse sammeln im Singleplayer

SPlatoon_screenshot1Da der Singleplayer von Splatoon nicht unbedingt den Kaufgrund ausmacht, können wir das ganz einfach handhaben.

Der Oktodistrikt ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Ebenen, die mit instanzierten Levels auf euch warten, an dessen Ende immer ein Elektrowels gerettet werden will. Ihr kämpft euch gegen minderintelligente NPC’s durch die Level und müsst das ein oder andere Geschicklichkeits- oder Gedankenspielchen überwinden. Dabei ist der Einsatz der Farbe zu erwähnen, denn diese wird immer wieder gebraucht um bestimmt Areale zu erreichen oder Hindernisse zu überwinden. Das ganze ist ziemlich klug eingesetzt und lässt den Singleplayer nicht ganz so langweilig wirken. Die vereinzelten Bossgegner sind kaum als Herausfoderung zu bezeichnen. Die Mechaniken sind leicht durchschaut und auch leicht überwunden. Die Bossgegner stellen als solche keine große Herausforderung dar. Auch dürft ihr keine allzu große Story erwarten. Der Singleplayer ist in Splatoon eher nettes Beiwerk.

Und zum Schluss…

Splatoon

Quelle: Nintendo

…gibt es hier noch ein paar Worte zur Technik. Splatoon kommt in einem knallbunten Comiclook daher, der sich wirklich gut an das Spielgefühl anpasst. Na klar, alle Grafikfetischisten werden bei dem Spiel die Hände überm Kopf zusammenschlagen, aber dennoch passt hier einfach die Verbindung zwischen Optik und Spielgefühl.

Die musikalische Untermalung ist auch ganz gut, sicher nicht preisverdächtig, aber mit guten Musikstücken und klarem Sound grundsolide. Die Möglichkeit, die Sicht des Inklings mit dem Wenden und Neigen des Pads zu steuern hat mich anfangs sehr verwirrt, aber nachdem man es erstmal ausprobiert und etwas verinnerlicht hat, lässt diese sich als gute Alternative zur klassischen Padsteuerung durchaus sehen.

Die Steuerung selbst ist auch wieder gewohnt präzise und gibt einem das Gefühl von direkter und guter Kontrolle. Natürlich ist auch wieder das Miiverse im Spiel verbaut und wenn ihr durch das Hub lauft und die Avatare verschiedener Spieler seht, seht ihr auch ihre Miiverseeinträge. Ganz nett: einige Miiversebeiträge werden als Grafitti in der Stadt verteilt, nette Idee.

Fazit

KaiSplatoon macht vieles anders. Ich war gleich vom witzigen Look und dem Spielprinzip überzeugt. Das Aufleveln des Inklings, das Ausstatten mit neuen Klamotten und Waffen und der schnelle Spieleinstieg habens von Anfang an geschafft mich ins Spiel zu ziehen. Welche Spezialfähigkeiten mit welchen Waffen kombinieren? Welche Map wird gespielt? Eher kurze Distanz mit viel Power aber wenig Bums oder doch lieber die langsame Longrangewaffe mit ordentlich Tintenpower? Und das schöne daran ist, obwohl das ganze sehr kindlich und verniedlicht wirkt, hab ich Spaß dran. Wären nicht die Mängel im Multiplayer, ich würde es glatt als DAS Spiel für die WiiU bezeichnen. Ich bin jetzt auf Level 20 angekommen, muss man halt sehen wie es danach mit der Langzeitmotivation bestellt ist aber bis dahin wurde ich rund 18 Stunden bestens unterhalten. Wenn Nintendo es jetzt noch gebacken bekommt, da ein wenig anzupassen in punkto Zusammenspiel, Kommunikation und diese Teamrotation so verändert, dass man auch mit Freunden zusammenspielen kann, haben wir hier ein richtiges schickes Stück Shootersoftware liegen! Für sowas liebe ich Nintendo! <3

Good

  • Neuer Ansatz der Idee des Shooters
  • Witzige Optik
  • Tatktikelemente durch Kleidung und Waffen
  • Events und Mapsrotation

Bad

  • Teamwork im Multiplayer stark eingeschränkt
  • Zusammenspiel mit Freunden kaum möglich
  • Bestimmte Waffen schlichtweg Overpowert
7.9

Gut

2 Comments

  1. Moin moin Kevin,
    ja du hast recht, das Gefühl, dass der Roller und seine Unterarten overpowert sind hat sich besonders in der den ersten Spielstunden eingestellt. Aber dass das Teil ein wenig den Rahmen gesprengt hat, hat man letztendlich nicht nur daran gemerkt, das besonders zu beginn viele nur mit dem Ding gespielt haben, sondern auch daran, dass in verschiedenen Patches der Roller in seinen Statuswerten deutlich generft wurde.
    Aber natürlich bin ich kein Experte, sondern gebe nur meine Meinung wieder, von daher werd ich mich nochmal in die Rangmatches schmeißen und sehen, ob sich die Waffenauswahl weiter oben wirklich noch verändert (bin derzeit Rang B+).

    Beste Grüße,
    Kai

    Reply
  2. Ohje… klar bei der Demo und den ersten paar Spielstunden kam zwangsläufig wahrscheinlich jedem der Gedanke, dass der Roller overpowered sein muss. Geht halt ganz einfach von der Hand. Wer aber aktuell den Roller immer noch als overpowered ansieht hat jedoch m.M.n. einfach noch nicht genug Spielzeit erreicht 😉 Ab Rang B sieht man die nur noch ganz selten rumschleichen 😉

    Reply

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