Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter – Der Test zum neuesten Detektiv Adventure

Ach ja, Sherlock Holmes. Den britischen Meisterdetektiv sollte eigentlich fast jeder kennen und vor kurzem brachten Entwickler Frogware und Publisher BigBen Games ein neues Adventure mit dem ekzentrischen Genie raus, welches auf den Titel „Sherlock Holmes: The Devils Daughter“ hört. Dies ist inzwischen der elfte Teil der Sherlock Holmes Adventure Serie von Frogware. Doch wie schlägt sich das neueste Exemplar? Gerade der sehr gute Vorgänger Sherlock Holmes: Crime and Punishment hat gezeigt, wie ein spannendes und kniffliges Adventure mit dem Meisterdetektiv sein muss. Kann dies auch der Nachfolger wieder leisten oder lassen wir die Spur im Sand verlaufen? Erfahrt es hier!

Holmes hat eine Adoptivtochter

Sherlock Holmes Devil's Daughter

Quelle: Big Ben

Wie schon in den Vorgängern gewohnt erleben wir eine Art episodenhaftes Adventure, die alle mit einer Rahmenhandlung verbunden sind. Letztere befasst sich dabei mit der Beziehung zwischen Holmes und Kate, seiner Adoptivtochter. Wie Teenager nun mal so sind, wollen diese auf die Eltern nicht unbedingt hören und das führt zu einem Streitgespräch, vor allem da Holmes auch nicht offenbaren möchte, wer die leiblichen Eltern von Kate sind. Als Spieler erfährt man hingegen sehr früh, dass es sich dabei um die Tochter von Holmes Erzfeind Moriarty ist, welcher das Zeitliche gesegnet hat. Nicht nur, dass Holmes dadurch natürlich Probleme mit Kate bekommt, zu allem Überfluss zieht auch noch eine Nachbarin ins Haus, dessen Hobby wohl Voodoo und Okkultismus ist und wohl über Kate Bescheid weiß. Das dies nicht alles ein Zufall sein kann, dafür braucht es kein Meisterdetektiv.

Die Geschichte selber könnte eigentlich ungemein interessant und spannend sein unter dieser Prämisse. Jedoch verrennen sich die Schreiber in zu viele seltsame Stellen die wenig Sinn machen. Auch die Episodenhaften Fälle können das Ruder da nicht rumreißen. Zwar erkunden wir interessante Orte wie einen Maya Tempel, eine Gießerei, das Armenvierte, ein Friedhof oder auch eine Traumsequenz, aber wirklich interessant sind die Geschichten dahinter nicht. Viele der Fälle sind sehr vorhersehbar und wirken mehr gezogen und ohne frische Ideen.

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Quelle: BigBen Interactive

Hinzu kommt, dass gerade die Atmosphäre durch die deutsche Synchronisation leidet, die zum einen hölzern wirkt, aber auch viele Emotionen falsch rüberbringt.

Merkwürdig wirken auch die Entscheidungen an, die der Spieler gegenüber seiner Adoptivtochter treffen soll. Diese wirken zum einen ungemein banal, zum anderen ist es vollkommen irrelevant, wie wir uns entscheiden. Sowohl für die Geschichte, als auch für die Momentaufnahme ist es vollkommen egal was wir machen.

Dies ist natürlich sehr schade, da der Vorgänger fast durchweg interessante Geschichten lieferte, sowohl als Gesamtkonstrukt, als auch mit den einzelnen Episoden.

Adventure oder Quick Time Events

Sherlock Holmes Devil's Daughter

Quelle: Big Ben

Im Prinzip erwarten wir von einem Adventure Rätsel, Knobeln, Lösung finden. Sicherlich kommt dies auch wieder hier zu Gute, aber weniger als im Vorgänger und es scheint man versuchte den Titel in andere Bereiche zu verlagern. So finden wir obskure Quick Time Events, Schleichpassagen oder davon laufen vor fallenden Deckenplatten.

Sicherlich ist dies nicht unbedingt verkehrt, das Gameplay mit solchen Sachen aufzulockern und QTE’s gab es auch schon im Vorgänger, aber die Menge wurde gefühlt vervierfacht. Immer wieder müssen wir auf die vorgegebenen Tasten hämmern in Kämpfen in Kneipen oder bei der Herstellung von Gegenständen und anderem. Auch an den Schleichpassagen hab ich persé nichts auszusetzen, immerhin muss ein Detektiv ja auch beschatten können. Aber die Art und Weise wie diese ablaufen, wenn man jemanden verfolgen soll, ist einfach nur grausam. Uninspiriert übernommen aus anderen Spielen und dann auch die gleichen Fehler gemacht.

 

Irgendwie wirkt es so, als wollte irgendwer mehr Action in den Titel einbringen. Erinnert mich irgendwie an Geschichten wie Dead Space oder Resident Evil, wo alles mehr in Casual Richtung ging und die Titel dadurch bergab.

Was der Titel jedoch „fast“ genauso gut wie sein Vorgänger macht sind zum einen die Rätsel selber, aber vor allem wieder wen wir beschuldigen, der hinter schwedische Gardinen kommen soll. Wieder denken wir lange nach und schauen uns unsere Beweise und Indizien an, um am Ende zu entscheiden wer der vermeintliche Bösewicht ist. Jedoch gibt es auch hier ein paar kleinere Probleme, die der Vorgänger nicht hatte.

So sollten wir vermutlich ein wenig mehr uns wie Holmes fühlen, der an Hand eines Blickes auf die Farbe des Hemdes des Verdächtigen sagen konnte, ob derjenige ein Narzisst oder Nihilist ist. Auch wir sollen diesmal durch Hinweise wie eine Brosche eines Verdächtigen oder anderen Sachen Rückschlüsse daraus ziehen welche Einstellung derjenige hat oder was passiert ist. Ansich keine schlechte Idee, jedoch fehlen uns zwischendurch dabei jegliche Anhaltspunkte was es bedeuten könnte oder in welche Richtung es tendieren würde, so dass es eher ein Ratespiel dadurch wird.

Zudem gibt es dieses Deduktive nur in drei der fünf Fälle. In den anderen beiden, fassen wir den Täter dank QTE’s.

Ist das Jude Law?

Sherlock Holmes Devil's Daughter

Quelle: Big Ben

Ein zweischneidiges Schwert ist die Grafik. Diese wurde deutlich überarbeitet und sieht schön scharf aus. Detailreiche Schauplätze, scharfe Texturen und Charaktere, leider zum Preis, dass selbst in der PC Version wir Tearing erleben. Nicht jeden wird es wohl freuen, dass dabei der Look aber ein einem Comic hafteren Aussehen ins realistischere wandelte. Auch darf man sich nicht wunder, dass Holmes und Watson nun anders aussehen. Diese wurden nämlich auch überarbeitet und wie man inzwischen erfuhr war dies offenbar eine Management Entscheidung, da Holmes „hipper“ aussehen sollte um beim Publikum anzukommen und Watson eher in Richtung Jude Law geht. Diese Design Entscheidung würde auch zu der Gameplay Umstrukturierung passen, was leider auch darauf hindeutete, dass man ein breiteres Spektrum an Spielern treffen wollte und dadurch einiges auf der Strecke blieb, was der Vorgänger richtig gut gemacht hatte.

Fazit

Vieles was ich von „Sherlock Holmes: The Devils Daughter“ halte, hat man eigentlich schon oben heraus gelesen. Der Titel ist bei weitem kein schlechtes Adventure, aber nach dem sehr guten Vorgänger ist man als Adventure Fan doch stark enttäuscht. Langweilige Story, langweilige Fälle, zu viele QTE’s und Action Szenen, die einfach nicht hätten sein müssen. Ich hab ja kein Problem, wenn man versuchte ein Sherlock Holmes Adventure zu kreieren, dass ein wenig Richtung der Verfilmungen mit Robert Downey Jr. Geht, die auch viel Action bieten. Jedoch wird diese hier nicht gut umgesetzt. Die Rätsel sind jedoch wieder von hohem und guten Niveau. Warum jedoch die Story so dahin plätschert, obwohl die Grundidee sehr interessant ist und potential bietet, erschließt sich mir nicht. Das die Entwickler es können haben sie ja bewiesen. Ich hoffe einfach, dass der nächste Teil wieder an die alten Stärken heranreicht. Dennoch können Adventure Fans gerne zugreifen, denn auch wenn ich die Geschichte jetzt nicht besonders spannend finde ist der Titel immer noch in Ordnung und macht auch Spaß.

Good

  • Interessanter Plot
  • Gute Rätsel
  • Verbesserte Grafik

Bad

  • Plot leider nicht gut umgesetzt
  • Deutsche Synchronisation hölzern und unpassend
  • Zu viele QTE's
  • Tearing auf dem PC
7.1

Gut

Gamer aus Leidenschaft, Nerd aus Liebe, Liebhaber aller Konsolen Bei Fragen, Anregungen, Wünschen oder einfach Small Talk schreibt mir an sascha.mensfeld@gamersplatform.de

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