Machen uns Videospiele zu besseren Menschen? Nein, aber das ist auch nicht der Punkt.

In der heutigen Zeit hört man immer noch gespaltene Meinungen zum Thema Videospiele. Man hört sie seien nutzlos, wertlos und reine Zeitverschwendung, da man davon nicht profitieren kann. Jetzt stellt sich die Frage: Muss man von Videospielen profitieren? Man sagt, dass man durch verschiedene Situationen und Geschehnisse im Leben möglicherweise ein besserer Mensch wird und  stets etwas Neues lernt.  Reflektieren wir diese Aussage allerdings auf Medien, dann entsteht für mich ein Widerspruch. Natürlich entwickeln wir uns im realen Leben persönlich weiter, aber dass Computerspiele einen Lernfaktor besitzen sollen verstehe ich nicht. Bücher und Filme lehren mich auch keine Dinge, die mich im echten Leben voranbringen. Es handelt sich für mich um reine Unterhaltung und wie ich diese unterschiedlichen Medien interpretiere und was ich davon mitnehme, liegt schließlich an mir selbst. 

Videospiele sind etwas Besonderes für mich, da sie eine einzigartige Erfahrung liefern, die kein anderes Medium erzeugen kann.    Nehmen wir beispielsweise einen Roman, dann können wir zwar einen Sieg des Protagonisten im Kampf nachvollziehen, aber nur ein Videospiel produziert einen gewissen Stolz nachdem man mit „eigenen Händen“ einen Feind besiegt hat.  Sieht man einen Film oder eine TV-Serie kann man gewisse Charaktere regelrecht hassen, aber ein Videospiel schafft es die eigenen Handlungen auf eigene Gefühle zu übertragen. So fühlt man sich etwa bei einer Entscheidung schlecht oder schämt sich für das, was man angerichtet hat.

Ein weiteres, sehr besonderes Merkmal von Videospielen ist die Beziehung zu einem Spielcharakter. Nimmt man beispielsweise ein Heavy Rain, dann wird man regelrecht in die Geschichte hineingesogen. Ich sage nicht, dass andere Medien es nicht schaffen eine Beziehung zu fiktiven Charakteren aufzubauen, aber wenn man selbst die Kontrolle über diese Person besitzt, dann entsteht eine einzigartige Beziehung und diese findet man nicht überall.  Man ist also in Videospielen nicht nur ein Zuschauer der Schauspieler sondern gleichzeitig Schauspieler und Zuschauer.

Gerade in Spielen mit offener Welt erlebt man sein persönliches Abenteuer, da man eben nicht von A nach B laufen muss, sondern auch mal einen Umweg von A nach C  angehen kann. Filme und Bücher bieten zwar Raum für weiterspinnende Gedanken, aber in einem Videospiel kann ich machen was ich will. Die Frage „Was wäre wenn?“ kann ich mir selbst beantworten. Natürlich ist auch hier die Welt größentechnisch begrenzt, aber es geht um die Freiheit, die mir in der Welt zur Verfügung gestellt wird.

Diese Faktoren machen Videospiele so interessant und man findet wirklich alle Gefühle in ihnen vor. Egal ob Trauer, Hass oder Freude – die Abwechslung auf dem heutigen Markt ist riesig. Hinzu kommen noch die Projekte, welche mehrere Gefühle auf einmal bieten und sich nicht nur auf ein Gefühl spezialisieren. Ob Videospiele uns nun wirklich menschlich voranbringen, dass lasse ich jedem frei. Ich kann nicht sagen, ob meine Hand-Augen-Koordination verbessert ist, ich intelligenter geworden bin oder in anderer Art und Weise Veränderungen durchlaufen habe. Ich kann aber sagen, dass dies nicht der Sinn von Videospielen oder anderer Medien sein muss bzw. soll. Videospiele sind Unterhaltung, die ich in keiner anderen Form erleben kann und sollten ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur sein.

Markus Janssen, Freier Autor

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