Der Hypetrain und seine Folgen

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Geil, grandios, hammer! Dieses Spiel muss ich unbedingt haben!

Diese Gedanken und Aussagen hört man im Internet ständig, sobald ein neuer Titel von Entwicklern angekündigt wird. Dabei ist es schon eine gewisse Kunst der Vermarktung, um eben genau diese Wirkung bei Kunden hervorzurufen. Teaser, Trailer, Screenshots und auch Details spielen eine wichtige Rolle. In diesem Bericht gehe ich ein wenig auf meine persönlichen Hype-Erfahrungen ein.

Derzeit aktuellstes Beispiel ist für mich der neue Ableger zur TV-Serie South Park. Ich habe den ersten Teil geliebt und war umso mehr gehyped als der Nachfolger mit Superhelden-Szenario angekündigt wurde. Die ersten Spielszenen und neuen erweiterten Funktionen des Kampfsystems sorgten für wahre Freude! Mittlerweile wurde der Titel aber mehrmals verschoben und es klingt vielleicht komisch, aber der Hype ist verlorengegangen. Klar werde ich den Titel immer noch spielen wollen, aber ich zähle nicht mehr die Tage/Wochen/Monate. Hier zählt denke ich der Fakt, dass Hype durch eine Ankündigung entsteht eine wichtige Rolle. Sobald mir ein Titel für ein spezifisches Datum schmackhaft gemacht wird, sehne ich diesen Tag herbei. Einige Leute nehmen sich sogar Urlaub um einem erwarteten Titel die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Man will von Tag 1 an dabei sein und in den Genuss dessen kommen, worauf man so lange gewartet hat.

Zweites Beispiel, No Man’s Sky. Ein sehr brisantes Thema und ein Titel, der die Massen spaltet. Ich persönlich würde für diesen Titel einen anderen Begriff in das Rennen werfen und zwar war ich gehooked. Ich wollte mehr wissen über den Titel und die Entwicklung verfolgen. Da ich aber das Studio bereits von seinen anderen Projekten kannte und mir auch über die Mitarbeiteranzahl bewusst war, hatte ich wohl geringere Erwartungen als viele gehypte Spieler. Ich entschloss mich nicht für eine Vorbestellung des Titels und habe ihn ehrlich gesagt bis heute nicht einmal gespielt. Die Diskussionen die entstanden sind und Let’s Play-Videos haben mir hier für meine Entscheidung gereicht, dass der Titel nichts für mich ist. Jetzt aber mal zur Folge der gesamten Marketing-Aktion. Hass, Wünsche nach Rückerstattungen, negativer Ruf auf das Entwicklerstudio, all diese Dinge erfuhr das Studio am eigenen Leib, auch wenn die Kasse geklingelt hat. Nun muss man sich natürlich überlegen, ob man sich vielleicht übernommen hat oder falsche Versprechungen gemacht hat. Dies ist ein negatives Beispiel und zeigt dass der Hype nicht immer unbedingt ein gutes Zeichen ist.

Persönlich spannend wird es für mich immer bei neuen IP’s, die groß aufgezogen werden sollen. Hier ist das aktuellste Beispiel natürlich Horizon: Zero Dawn, welches alles richtig gemacht hat. Man bediente sich als eher unerfahrenes Studio in diesem Genre an den Stärken bereits veröffentlichter Titel und kreierte eine tolle Mischung daraus. Zusätzlich ließ man eigene Gedanken mit einfließen und natürlich haben die Entwickler auch mit dem frischen Szenario eine fantastische Welt erschaffen. Hier habe ich im Endeffekt genau das bekommen, was auch so vermarktet wurde. Riesige Maschinen, die ich mit einer Heldin bekämpfe, die mit Pfeil und Bogen ausgerüstet ist. Weiterhin noch eine interessante Geschichte und Charaktere, die ich als Extra sehe, da ich hier gar keine großen Erwartungen hatte. Videospiele sollen mich unterhalten und das ist bei diesem Titel allemal der Fall. Wo war aber jetzt der Hype? Auch hier müsste ich den Begriff wieder ändern und würde eher sagen, dass ich seit der Ankündigung interessiert bin, aber nicht wirklich gehyped war. Es war bei diesem Titel mehr so, dass er auf einmal da war und ich meinen Spaß daran hatte.

Als letztes Beispiel würde ich gerne Stardew Valley erwähnen. Als ich über diesen Titel gestolpert bin, dachte ich sofort an ein Harvest Moon in neuem Gewand. Harvest Moon! Eine Reihe, die ich vom ersten Teil für den Gameboy bis hin zur Gamecube-Umsetzung verfolgt hatte. Und nun ging es zurück zu den Wurzeln und das ganze von nur einem Entwickler! Der Hype war riesig und ich hatte so große Lust darauf, auf einer neuen Farm zu arbeiten und die Bewohner aus der Umgebung kennenzulernen. Stück für Stück kamen neue Informationen an das Licht und ich konnte es kaum noch aushalten bis zur Veröffentlichung. Wieviele Stunden werde ich in diesen Titel wohl investieren können? Ich war bereit. Schließlich war es dann soweit und Stardew Valley war veröffentlicht. Ich startete direkt den Download via Steam und spielte los. Die erste Stunde rief Kindheitserinnerungen hervor und nach der zweiten Stunde entstand eine Art Ernüchterung. Farmspiele sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Ich wurde vom Markt verwöhnt und eine Hommage an Harvest Moon ist nicht mehr das, was ich eigentlich will. Bitte versteht es nicht falsch in diesem Sinne, Stardew Valley ist ein großartiges Spiel und macht meiner Meinung nach alles komplett richtig. Leider habe ich aber mit diesem Titel gemerkt, dass auch an mir persönlich der Hype schnell verfliegen kann. So bleibt das Spiel zwar in meiner Bibliothek, aber ich denke nicht, dass ich weitere Zeit mit diesem verbringen werde. Vielleicht wage ich einen zweiten Versuch bei dem geplanten Koop-Modus.

Genug von meinen Erfahrungen mit dem Hype. Ihr merkt sicherlich, dass verschiedene Faktoren eine wesentliche Rolle spielen und es zuletzt auch an euch selbst liegt. Geschmäcker sind unterschiedlich und auch wenn ein Titel euch direkt in das Boot zieht und ihr Platz auf dem Hypetrain genommen habt, kann es sein, dass am Ende die Erwartungen nicht erfüllt werden. Es gibt wie in jedem anderen Feld auch hier negative und positive Beispiele. Zusätzlich auch noch eine mittlere Ebene, wo man sagen kann: „Oh Titel X kommt. Habe ich zur Kenntnis genommen, gute Sache!“. Das Medium Internet und die Gemeinschaft von Spielern erzeugt den Hype und die Entwickler und Publisher leisten ihren Teil dazu bei, um das meiste Geld aus ihrem Projekt herauszuholen. Am Ende entscheidet ihr, ob ihr euch dem Hype anschließt oder nicht.

Markus Janssen, Freier Autor

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