Test: Rise of the Tomb Raider (PC)

Nachdem Rise of the Tomb Raider im November 2015 für die Xbox One erschien, wurden nun auch PC Spieler damit bedient. Inhaltlich bleibt es das selbe Spiel, auch wenn etwas an der Grfaik geschraubt wurde. In diesem Abenteuer versucht Lara, den Ruf ihres Vater wiederherzustellen und beweist zugleich, dass sie kein kleines Mädchen ist.

Trinity und Kitesch

Wir befinden uns auf einem sibirischen Glätscher, ein Sturm zieht auf, trotz Thermojacke spüren wir die Kälte deutlich, während wir durch Knöchelhohen Schnee laufen. Und das alles nur, um die verschollene Stadt Kitesch zu finden. Alles begann, als Laras Vater immer mehr in seinen Nachforschungen nach einem mysteriösen Artefakts versank und daher von den klatschpressen als Verrückter bezeichnet wurde. Nach seinem Tod beschließt Lara, seine Forschung zu Ende zu führen und das Artefakt zu bergen, um den Ruf des Vaters zu retten. Dies führt sie schlussendlich auf die Suche nach Kitesch, welche schlussendlich auch gefunden wird. Allerdings ist sie nicht allein, denn ein Geheimorden mit dem Namen Trinity, welcher angeblich schon seit Jahrhunderten versucht, die Menschheit zu kontrollieren und auch für das Chaos auf Yamatai (dem Schauplatz vom Vorgänger Tomb Raider)verantworlich ist,  ist ebenfalls auf der Suche nach dem Artefakt. Der Orden sprengt sich also langsam den Weg durch die sibirische Taiga in Richtung Kitesch, direkt in den Lebensraum eines Bergvolkes, welches die Stadt schon seit Jahrhunderten bewacht. Für Lara ist das natürlich alles andere als Ideal, und somit wird es ein Wettlauf zwischen Lara und Trinity.

Zurück zu den Wurzeln

Rise of the Tomb Raider (5)

Quelle: Square Enix

Wenn man jetzt liest, dass wie immer ein Orden oder Söldnertrupp oder ähnliches dabei ist, denkt man vermutlich schnell an wilde Ballereinlagen. Doch diese wurden glücklicherweise sehr zurückgeschraubt und Rise of the Tomb Raider wird dem Namen gerecht. Der Fokus liegt hier eindeutig auf den vielen Grabmälern. Während diese im Vorgänger noch eher eine ergänzende, aber eher unwichtige Rolle spielten, so rücken diese nun in den Vordergrund. Diese sind zum Teil wirklich riesig und verlangen Geschicklichkeit sowie einen funktionierenden Denkapparat bei den physikbasierten Rätseln. Das schöne ist: diese sind sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt und verlangen immer wieder andere Denk- und Vorgehensweisen, denn wie befreit man zum Beispiel das Grab der Galeere von Eis, wenn es mit einem Eiskratzer wohl mehrere Jahre dauern würde? Zu allererst sollte man sich von einem Aussichtspunkt einen Überblick verschaffen, welcher in der Regel auch immer gegeben ist. Und wenn man dort oben steht und die Kulisse überblickt, ist man mit Sicherheit ganz schön beeindruckt, da man von dort aus auch erst einmal einen Blick auf die ganzen Details hat, welche die Gräber zu etwas so besonderem machen. Das sind meist auch keine Gräber, die man mal eben in einer viertel Stunde komplett erkundet, sondern durchaus solche, bei denen man denken könnte, sie wurden wirklich so gebaut, dass man nicht dort hin soll. Erleichtert wird das ganze allerdings durch den „Überlebensinstinkt“, welcher ebenso wie beim Vorgänger funktioniert und alle interaktive Objekte (und Feinde) kurzzeitig in Orange darstellt. Allerdings kam dieser bei mir so gut wie nie zum Einsatz, da es ohne diesen auch einfach mehr Spaß macht. Wenn man sich allerdings mal in eine vermeidliche Sackgasse gebracht hat oder auf der Suche nach Kräutern ist, so kann dieser nützlich sein. Allgemein sind die Gräber um einiges unterhaltsamer als noch im Vorgänger. Denn was macht die Tomb Raider Serie aus? Gräber, Lara Croft, klettern und Rätsel, auf Gegner kann man da auch größtenteils verzichten, wenn es einfach so viel zu Entdecken gibt. Natürlich ist eine schöne Kulisse unverzichtbar, schon auf der Tropeninsel Yamatai bewisen Crystal Dynamics, dass sie wissen, wie exotische Orte aussehen sollen, doch da jetzt noch mehr Orte zur Verfügung stehen, welche von den schneeverwehten Gipfeln durch Sowjet-Ruinen bis hin zu grünen Tälern führen. Natürlich liegt der Fokus noch immer auf der Hauptstory, allerdings kann man mit der reinen Erkundung von Gräbern außerhalb der Story eine Menge spaß haben.

Rise of the Tomb Raider (6)

Quelle: Square Enix

Doch auch abseits von Grabmälern gibt es etwas zu tun. Denn natürlich verfügt jedes Gebiet wieder über Nebenaufgaben, wie etwa das abreißen von Sowjetflaggen oder auch das Fangen von Hühnern. Allerdings kann man nun auch direkt von den Bewohnern der Gebiete Aufgaben annehmen. Diese möchten zum Beispiel, dass ihr Widerstandskämpfer befreit, Funktransmitter zerstört und ähnliches. Als Belohnung bekommen wie neue Gegenstände, welche sich im Spiel meistens als sehr nützlich erweisen. Einen Dietrich bekommt man zum Beispiel nur über eine Nebenmission, und dieser ist ganz schön hilfreich später. Man kann die Hauptstory allerdings auch ohne Nebenmissionen spielen, zumal diese keinen direkten Einfluss auf diese haben.

 

 

Ein hartes Abenteuer

Während der Reise durch Sibirien bekommt man nicht nur realistisch gestaltete und eindrucksvoll in Szene gesetzte Orte zu sehen, sondern auch Laras realistische Reaktionen darauf. Dass man hoch oben auf verschneiten Gipfeln in einem Schneesturm friert, ist wohl offensichtlich, und das glauben wir Lara auch komplett, wenn sie erschöpft und zitternd durch den Schnee zieht. Auch das Husten beim Einatmen von Schwefeldämpfen ist sicher nicht ungewöhnlich. Und nach einigen heftigen Stürzen, fasst sich Lara doch immer wieder an die Stelle, an der sie zu Beginn des Spieles verletzt wurde, so als ob es -logischerweise- noch nicht verheilt und vergessen ist. Aber man merkt auch, wie stark sie ist, denn während sie im Vorgänger am Lagerfeuer immer über einen in einer Zwischensequenz getöteten Soldaten nachdachte, obwohl ihm noch einige folgten, gibt sie sich in diesem Teil nicht mehr mit so etwas ab. Das Nachdenken über Vergangenes bleibt bestehen und ist auch sehr schön, zumal es sehr realistisch ist, aber wenigstens zeigt sie dabei Stärke und beweist, dass sie schon einiges erlebt hat. Das unschuldige Mädchen gibt es nicht mehr, denn Lara ist inzwischen schon wahrer Tomb Raider.

Rise of the Tomb Raider (4)

Quelle: Square Enix

Das bedeutet aber auch, dass sie Kämpfe nicht scheut. Diese sind im Vergleich zum Vorgänger um einiges besser gestaltet. Das gesamte Arsenal hat realistischere Auswirkungen und benötigt verschiedene Vorgehensweisen. Es ist meistens zwar möglich, Kämpfen durch schleichen zu entgehen, damit verpasst man aber auch einiges. Die Stealth-Kills, auf welche man oftmals ganz schön hinarbeitet, indem man sich an mehreren vorbeischleicht um dann einen nach dem anderen von hinten her zu erledigen, machen ganz schön Spaß. Wem das nicht gefällt, der kann natürlich auch einfach den Rambo machen und mit Sturmgewehr oder Schrotflinte durch die Vordertür kommen und die Wände rot streichen. Beides gibt in etwa die selben Erfahrungspunkte, was auch ziemlich gut ist, denn beide Vorgehensweisen machen Laune. Wenn man schleicht und so Gegner mit geworfenen Gegenständen ablenkt oder in dunkle Ecken lockt und ausschaltet, hat man ein ziemlich überlegenes Gefühl. Wenn man hingegen rein stürmt und die Gegner ummähen möchte, fühlt man sich wie eine überlegene Kriegsmaschine. Dies liegt zumal daran, dass die Gegner-KI sehr realistisch agiert und zum Beispiel versucht Lara zu Flankieren und sich gegenseitig Sperrfeuer gibt. Man braucht die Waffen allerdings auch erst einmal und sollte versuchen Upgrades zu bauen, dies funktioniert indem man die verschiedenen Teile in Kisten überall sucht. Zu Beginn besitzt man nur einen Bogen, welcher zwar sehr nützlich ist, aber gegen gepanzerte Gegner am Anfang und ohne Upgrades nicht viel ausrichten kann.

Schön verfallen aber mit Steuerungsschwächen

Neben den vielen eingebauten Details, welche die verschiedenen Orte so realistisch machen, sorgen vor allem die Texturen noch ordentlich einen drauf. Das schöne ist jetzt, dass Kanten zum Klettern nicht mehr so stark hervorgehoben sind und man so selbst etwas darauf achten muss, wo ein möglicher Weg zum Ziel wäre. Allerdings haben die vorhin bereits erwähnten schönen und detailreichen Orte ihren Preis, denn so mancher PC wird seine Schwierigkeiten haben, das Spiel auf maximalen Settings wiederzugeben. Allerdings sollten sich Spieler mit High-End PCs weniger Sorgen darum machen. Auf Mittelklasse-PCs sieht das Spiel wohl deutlich schlechter aus. Jedoch wurde ein sehr umfangreiches Grafikmenü eingebaut, in dem jeder seine gewünschten Settings sehr präzise einstellen kann. Wenn man alles auf das Maximum stellt, bekommt man wirklich ein eindrucksvolles Erlebnis.

Leider haben PC-Spieler mit Tastatur und Maus ein kleines Problem. Die Steuerung ist nämlich ganz schön blöd gelegt. Man kommt auf jeden Fall damit zurecht, sollte sich aber im klaren Sein, dass so manche Stelle ihr Probleme mit sich bringt. Die WASD-Bewegung in Verbindung mit einem Ausweichen auf C und einem Angriff auf F, während uns ein riesiger Bär erledigen möchte ist eher suboptimal. Das war dann auch der Moment, an welchem ich auf das Gamepad umgestiegen bin. Leider ist auch damit die Steuerung nicht optimal. Man kann keine Dosen aufheben und beim Springen an Wänden hüpft man doch das ein oder andere Mal in den Tod, da die Kamera einen etwas zu steilen Winkel hatte. Schade eigentlich, wenn man am Ende einer großen Kletterei doch noch in den Tod stürzt.

Fazit

ChrisIch muss sagen, dass mir Rise of the Tomb Raider sehr gefällt, und auch besser als der Vorgänger. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass hier die Wurzeln der Reihe wieder zum Vorschein kommen. Wilde Schießereien wurden zurückgeschraubt und der Fokus liegt viel mehr auf dem Entdecken, Klettern und dem Rätsel lösen, welche es zum Teil in sich haben. Außerdem zeigt Lara, dass sie bereits einiges hinter sich hat und verhält sich zudem sehr realistisch in den verschiedenen und großen Arealen, welche einfach wunderbar gestaltet sind. Dazu kommt noch eine ziemlich gute Gegner-KI in Verbindung mit einem netten Arsenal und verschiedenen Vorgehensweisen. Leider wird der schöne Flow immer wieder durch die Steuerung etwas ausgebremst, was dann doch sehr demotiviert. Und die Hauptstory ist, eher Mittelmaß.  Jedoch kann man dies wieder durch die Nebenmissionen und die vielen riesigen Grabmäler ausgleichen, welche man einfach gerne erkundet.

Good

  • Super Atmosphäre
  • Viel zu Erforschen
  • Lebendige und realistische Spielwelt
  • Hochdetaillierte Charaktermodelle

Bad

  • Steuerung mit Schwächen
  • Mittelmäßige Hauptstory
9.3

Erstaunlich

Leidenschaftlicher Gamer, Filmkenner und im Nerd-Kosmos zuhause. Noch Fragen oder Anregungen? - chris.holzheu@gamersplatform.de

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