Overwatch im Test – Blizzard’s nächster Streich

Wenn Blizzard mit einem neuen Online Spiel daher kommt, dann bleibt der Erfolg in der Regel nicht weit entfernt. Mit Overwatch präsentieren die Warcraft, Starcraft und Hearthstone Macher ihren neuesten Streich. Und wir verraten euch, warum das Spiel zurecht so großen Erfolg erntet, und dennoch das berühmte „Aber“ beachtet werden sollte.

MOBA + Ego-Shooter?

Overwatch

Quelle: Blizzard

Plötzlich waren MOBA’s der große Brüller. Spiele wie Dota 2, LoL, Smite, Prime World oder Bloodline Champions, sowie vieler weiterer Kandidaten ihrer Art schossen aus dem Nichts in kürzester Zeit in die Charts. Doch wie davon abheben? Einen Schritt in der Zeitleiste weiter und erneut erreicht uns eine neue Welle. Mit Overwatch, Battleborn oder Gigantic erreicht uns quasi die Ego-Shooter Variante der MOBA’s. Der Primus ist schnell entlarvt. Blizzard legte mal eben die erfolgreichste Beta mit Overwatch hin, die ca. 9 Millionen Spieler nutzten. Doch worum geht es genau? Ist es wirklich das League of Legends im Ego-Gewand?

Overwatch

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Zunächst ist das Heldenmuster ein Ähliches. Wer keine Ahnung von der Materie hat, wird dennoch absolut keine Probleme mit dem Einstieg haben. Dem Spieler stehen nämlich zahlreiche Helden zur Verfügung. Einen gilt es vor Rundenbeginn auszusuchen und mit ihm die Arena aufzumischen. Dabei ist die Anzahl jedoch zu Beginn etwas erdrückend. Denn die Unterschiedlichkeit der Charaktere ist enorm. Neben einem Elitesoldaten, einem auf Heilen ausgerichteten Engel oder einem Samurai Bogenschützen gibt es auch abgefahrene Helden, wie etwa Lucio, der einen Sound Blaster besitzt und dessen Stärke nach der Lautstärke seiner Musik in den Kopfhörern definiert wird. Darum lohnt es sich, noch bevor man sich in Online Gefechte wagt, zunächst erst einmal im Trainings-Modus alle Charaktere auf Probe zu spielen, um sich einen kleinen Gesamteindruck machen zu können. Wagt man sich dann doch in den Online-Modus, wird per Knopfdruck trotzdem angezeigt, welche Tasten für welche Fähigkeit stehen. Und eins sei gesagt, bis man den passenden Charakter gefunden hat, werden viele Stunden vergehen. Aber allein das ist schon ein großer Motivationsschub, das reine Herausfinden, wie welcher Charakter genau funktioniert, und zu welchem Spielertyp man sich selbst einordnen kann. Da durch die Modi oder durch spontane Situationen natürlich andere Attribute von Vorteil sein können, kann glücklicherweise nach jedem Ableben der Held gewechselt werden. Das ist gerade in der Anfangsphase ein Segen, um sich an die Spielfiguren gewöhnen zu können.

Damit ist Blizzard schon etwas Großes gelungen. Nämlich nicht nur sehr viele Helden einzuführen, sondern diese auch so zu gestalten, dass für jeden Spielertyp das passende Gegenstück dabei sein sollte. Doch Motivation entsteht nicht nur darin viele verschiedene Charaktere in ein Spiel zu integrieren, das Gameplay selbst ist noch wichtiger.

Sei 1 Held! Oder 21?!

Quelle: Blizzard

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Doch noch vor Beginn einer Partie tritt Ernüchterung ein. Leider ist die Modi Auswahl in Overwatch nicht sehr gelungen. Wir können den Brawl der Woche starten, ein Mashup aus besonderen, sich immer wieder ändernden Regeln, Ranglistenspiele, Benutzerdefiniertes Spiel oder der Schnellsuche. Als Standard gilt hier die Schnellsuche. Doch leider kann man nicht selbst zwischen den nur wenigen vorhandenen Modi wählen. Die Auswahl geschieht zufällig. Das ist etwas schade und hoffentlich wird den Spielern hier per Patch bald mehr Entscheidungsfreiheit gegeben.

Doch ab ins Gefecht. Meine erste Runde in Overwatch wurde im Kontrolle Modus ausgefochten. Der Modus hat jedoch mehr mit CoD’s „Herrschaft“ oder Battlefields „Eroberung“ zu tun als mit den gängigen MOBA’s dieser Welt. Denn auch hier gilt es drei Punkte auf der Karte mit seinem Team einzunehmen und diese möglichst lange zu halten um den Sieg zu erringen. Nur eben wird hier nicht mit Soldaten in russischen Forschungsbasen gekämpft, sondern mit sprechenden Gorilla’s, Robotern oder Cyber Ninja’s. Diese unterscheiden sich schließlich in Offensiv, Defensiv, Unterstützer oder Tank.

Overwatch

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Allein weil die Helden so verschieden aufgebaut sind, steckt in Overwatch, bei einem doch eher klassischen Modus, ein ganz anderes Spielgefühl hinter. Es gilt die Rolle des Helden, die idealerweise auch die des Spielers ist, vollends auszufüllen. Weswegen jeder Spieler ein ganz anderes Spiel erlebt, als seine Mitstreiter. Natürlich könnte jeder auch den gleichen Charakter nehmen, aber damit kommt man nicht immer so gut durch, denn schon bei der Heldenauswahl warnt uns die CPU, das unser Team gewisse Attribute vernachlässigt. Somit sollte man ein ausgeglichenes Team aus Nah –und Fernkämpfern, sowie Unterstützern haben. Jeder Held besitzt meist auf RT/R2/Linke Maustaste einen Standard Angriff, der dennoch von Held zu Held unterschiedlich ist. Während die eine Figur die Fähigkeit hat durchgehend zu sprinten, kann sich eine andere an verschiedene Vorhänge per Enterhaken hangeln, ein anderer Held wird plötzlich zum stationären Geschütz und Roadhog etwa kann mit einer Kette seine Feinde zu sich heran ziehen. Ich könnte noch viel mehr Fähigkeiten nennen, sogar teils sehr skurrile. Aber es reicht denke ich, um sich ein Bild davon machen zu können, dass Overwatch so deutlich mehr Abwechslung bietet, als ein herkömmlicher Arena-Shooter-

Die Helden steuern sich allesamt sehr präzise und füllen einen berechtigten Platz im Spiel aus. Auch die Maps sind absolut großartig darauf abgestimmt. Schließlich gibt es breite und groß gebaute Tanks, die dennoch durch alle Gänge prügeln können, auch hochgelegene Plattformen sind für sprungfreudige Helden integriert, sowie zahlreiche, aber genau richtig dosierte Deckungen und Verzweigungen, die viel Konzentration erfordern, aber genau deshalb so viel Spaß bereiten. Für meinen Geschmack hätten es aber durchaus ein paar mehr Maps sein dürfen, schließlich sind manche Karten auf bestimmte Modi angewiesen, weswegen sich manche der Maps öfter mal wiederholen als gewünscht. Auch die Reihenfolge der Maps erfolgt rein zufällig. Freie Auswahl, oder ein Map Voting gibt es dagegen nicht.

Gameplay ist der Kern des Spiels

Ich habe bereits den Modus „Kontrolle“ vorgestellt, ein weiterer Modus, der diesem sogar recht ähnlich ist, nennt sich „Angriff“. Dieser ist noch am ehesten mit Battlefields „Rush“ zu vergleichen. Es gibt ein angreifendes Team, und eines das die Position des Verteidigers einnimmt. Die Angreifer müssen innerhalb eines Zeitlimits nun Punkte erobern, was die Verteidiger natürlich zu verhindern versuchen. Im Kern also unterscheiden sich die beiden Modi nur wenig.

Deutlich verschiedener ist dagegen Eskorte. Wie der Name es vermuten lässt, gilt es hier für das angreifende Team ein Frachtschiff zum Zielpunkt zu führen. Die Verteidiger verhindern natürlich mit allen Mitteln diesen Eskort-Auftrag. Der Modus ist im Shooter-Genre zwar kein neuer Hut, spielt sich dennoch frisch, weil hierdurch immer wieder andere Teile der Map zum Schauplatz werden, und somit die Matches deutlich variabler sind, als in den anderen beiden Modi.

Quelle: Blizzard

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Auch ist der Hybrid Modus aus Angriff und Eskorte. Hier müssen die Angreifer, noch bevor die Fracht eskortiert werden kann, zunächst das Frachtschiff erobern. Es sind zwar alles gute Modi, aber das Spiel muss sich die Kritik gefallen lassen, dass diese sich schon recht ähnlich sind, und die Anzahl der Modi ist ebenfalls enorm überschaubar. Gerade Klassiker, oder zumindest abgewandelte Varianten des reinen Team Deathmatches, Search & Destroy oder auch Capture the Flag vermisst man. Und ich traue Blizzard auch völlig neue und unverbrauchte Konzepte zu.

Von MOBA kaum eine Spur, zu wenig Maps pro Modus, und eine magere Spielmodi Auswahl. Das fragt man sich zurecht wieso Overwatch trotzdem so in den Bann zieht. Und wieder: Es sind die Helden. Ich sprach bereits ihre Verschiedenheit an, aber birgt Verschiedenheit nicht auch das Risiko von schlechten Balancing? Eigentlich schon, Blizzard hat die Herausforderung jedoch mit Bravour bestanden. Natürlich kristallisiert sich unter den 21 Helden irgendwann aber auch ein gewisses Exemplar als besonders passend heraus. Dagegen wird es Charaktere geben, die ihr selbst für echt

unbrauchbar erachtet. Ich beispielsweise konnte mit Soldier 76 nicht viel anfangen, er ist quasi der schon im Tutorial eingeführte Einstiegscharakter und ähnelt dem durchschnittlichen Ego-Shotter Charakter mit seinem Sturmgewehr und den Granaten. Ihn scheint jeder spielen zu können, aber mit Tiefe ist da nicht viel. Dachte ich. Den Charakter, den ich für vermeintlich einfältig und schwach hielt, räumte, gesteuert von wohl einem geheimen Verehrer, in einem Match die Map leer. Nicht nur da, auch in anderen Partien dominierten vermeintlich nutzlose Helden das Spiel, weil andere dagegen hervorragend mit ihnen umzugehen wussten. Seitdem weiß ich, jeder Held ist gefährlich, wenn er in die richtigen Finger gerät. Selbst Heiler sind, obwohl es nicht einfach ist mit ihnen Kills zu erlangen oder Punkte zu erobern, eine echte Waffe. Mit ihrer Unterstützung werden Tanks beispielsweise zu einer noch größeren Bedrohung. Eroberungsschlachten entscheiden sich auch gerne mal dadurch, dass ein Heiler zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist.

Typisch Blizzard

Ein ebenfalls entscheidender Vorteil für’s Balancing ist die Tatsache, dass es nichts gibt, was man zusätzlich skillen könnte. Keine Fähigkeiten kann man sich erspielen, Waffen Upgrades gibt es ebenfalls nicht. Wenn ich als Level 1 Spieler also dieselbe Figur wähle wie ein Level 40 Spieler, dann haben beide den gleichstarken Helden vor sich. Anders als in Spielen, in denen nur hoch gelevelte Spieler über Extra Perks und Waffen verfügen. Damit ist das Herzstück von Overwatch, das Gameplay, bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und macht in jederlei Hinsicht einfach eine Menge Spaß, da scheinbar alles stimmt. Natürlich geht dem Spiel durch das Fehlen von freischaltbaren Fähigkeiten etwas an möglichen Motivationsschub verloren, dennoch kann man Lootboxen ergattern, die Logos, Skins oder Sieger-Posen enthalten. Davon gibt es reichlich und es ist ein langer Weg, bis man alle sein Eigen nennen kann. Zugegeben, ein paar Skins konnten mich bis zum heutigen Tage nicht wirklich motivieren. Was mich in jede neue Partie geschmissen hat, war die Lust am Spiel. Kein Leveling, keine Personalisierungen. Nur das Spiel selbst.

Overwatch

Quelle: Blizzard

Dennoch finde ich etwas schade, dass Blizzard das Spiel nur „da sein lässt“. Im Zuge der Veröffentlichung erschienen nämlich auch Comics, im Netz lassen sich zudem viele Hintergrund Informationen erörtern. Das alles findet man aber im Spiel nicht wieder, bis auf die knappe Intro Sequenz. Zwar wäre ich nicht scharf gewesen, auf einen eher halbherzig eingebauten Story-Modus wie in Battleborn. Blizzard hätte ich jedoch zugetraut, dass man zumindest Log Bücher freischalten kann, die einem die Hintergründe näher bringen oder vielleicht auch freischaltbare, kleinere Videos dazu. Gerade durch den Disney/ Pixar Look hätte ich viel Spaß dabei gehabt gut gemacht Videos zu schauen, die mir die Welt und Helden von Overwatch näher bringen. Ein gut gemachter Story Modus wäre natürlich auch nicht schlecht, aber vermisst habe ich den zumindest nicht während meiner Testphase.

Overwatch gibt sich verspielt. Neben dem deutlichen Comic-Look strahlen auch die Charaktere eine Menge Sympathie aus. Mit coolen Sprüchen und kleinen Gags geben sie das Gefühl, nie einen wirklich ernsten Shooter zu spielen, sondern einfach ein Game das Spaß machen soll. Der verspielte Look und die farbenfrohe Welt tragen ordentlich dazu bei. Ein grafisches Wunder sollte man dennoch nicht verlangen. Man stolpert gerade abseits der gängigen Pfade immer wieder auf etwas sparsamere Texturen, trotz Comic Look. Aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau, denn Overwatch macht einen absolut stimmigen und schönen Gesamteindruck, der auch noch nach Jahren kaum an Qualität einbüßen wird. Ebenso stimmt der Sound und auch die deutsche Vertonung. Aus Gewohnheit sage ich, man braucht sich nicht anzuschnallen, in der Erwartung hier völlig aus dem Sessel gezogen zu werden. Aber Overwatch ist deutlich über dem Durchschnitt, den wir hier kennen. Gerade die Intro Sequenz der Spiels hat sogar das Niveau von Pixar Produktionen.

Aber nicht alles läuft technisch perfekt. Es gibt noch hin und wieder Probleme beim Matchmaking und auch kleinere Bugs sind mir aufgefallen. Ein nicht ganz unbekannter Vertreter ist, dass die Helden, inklusive der eigene, komplett unsichtbar sind. Bei mir half eine Neuinstallation deutlich, auch wenn das Problem noch nicht zu 100% abgestellt ist. Die Probleme halten sich aber absolut im Rahmen, sodass ich die Wertung davon unbeeinflusst lassen kann.

Fazit

GP ChrisWow, ist Overwatch ein Spaß. Trotz anfänglicher Bedenken, als ich immer wieder das Wort „MOBA“ in Bezug auf das Blizzard Spiel hörte, so ist es ein eigentlich doch eher klassischer Arena Shooter geworden, der aber durch seine Figuren dann doch total unklassisch daher kommt. Die große Riege an Kämpfern spielt sich allesamt grundlegend verschieden. Das Erforschen dieser und das befriedigende Gefühl sein virtuelles Alter Ego gefunden zu haben machen Laune, noch viel mehr aber einfach sich mit anderen Spielern und teils verrückten Spezialfähigkeiten das Leben schwer zu machen. Das große Kunststück ist dabei, dass das Balancing, trotz der vielen Eigenheiten der Helden, so gut funktioniert und jeder Spieler zu jedem Zeitpunkt immer die gleichen Gegebenheiten hat. Hier kommt es auf Skill an! Ein großer Wurf, dieses Overwatch. Auch wenn der Umfang ziemlich zu wünschen übrig lässt und hoffentlich auch nicht per DLC’s aufgestockt wird. Doch trotz zu weniger Modi und Karten, Overwatch ist ein Spiel, welches sich über Jahre hinweg als große Online Macht behaupten könnte. Ein jeder, der Multiplayer Spiele mag, wird Overwatch sicher lieben.

Good

  • Sehr unterschiedliche und kreative Helden
  • Gutes Balancing
  • Toll designte Maps
  • Vielfältige Spielweisen, die zu jedem Spielertyp passen
  • Gutes Handling

Bad

  • Zu wenig Maps (drei pro Spielmodus)
  • Magere Auswahl an Modi
  • Comics und Hintergründe zu Overwatch und den Helden fehlen im Spiel
8.7

Toll

The Guy who loves Videogames

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