Nintendo belehrt uns eines besseren – ARMS im Test

Es gibt Momente im Leben, da gehe ich mit einer eher voreingenommenen Haltung in einen Test. Im Falle von ARMS hatte ich nämlich keine sonderlich hohen Erwartungen. Umso schöner ist es dann aber, wenn ich eines besseren belehrt werde. Warum das hier nämlich der Fall ist, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

ARMS

Quelle: Nintendo

Ist doch wie ein Boxkampf, oder?

ARMS ist ein Kampfspiel, welches sich mit gewohnten Nintendo Charm ein ganz eigenes Konzept verinnerlicht hat. Anstatt wie in üblichen Beat em Ups gilt es hier nur mit den Armen zu kämpfen. Doch wie genau soll das Spiel machen? Wir haben eine Auswahl von 10 verschiedenen Charakteren, allesamt komplett verschieden. Da gibt es die große, kantige Mumie, den flippigen Springman oder das merkwürdige Laborexperiment Helix. Die Arme der Figuren sind dabei dehnbar und ausfahrbar wie Gummi, denn darin liegt der große Kniff. Aber begeben wir uns dafür einmal in die Arena. Davon gibt es ebenfalls unterschiedliche Arten, im Tutorial lernen wir aber die Kampfstätte von Springman kennen.

ARMS

Quelle: Nintendo

Am besten steuert sich ARMS tatsächlich unter Nutzung der Joy-Cons und der Bewegungssteuerung. Seitlich geneigt hält man diese nämlich genau wie Boxer ihre Hände in einem Kampf ausrichten. Mit einem nach vorne gerichteten Schlag, fährt auch unser virtueller Arm im Spiel aus. Dabei kann man je nach Typ sogar noch aus weiterer Entfernung sein Ziel treffen. Während der Arm auf dem Weg zum Gegner ist, kann man per Neigung der Controller auch die Flugbahn beeinflussen, also nach rechts oder links anpassen, falls der Gegner sich während dieser kurzen Zeit bewegt hat. Indem man die Daumen quasi an die L und R Taste anlegt, kommt man besonders schnell und einfach an diese heran, denn das ist auch immens wichtig. Die sind nämlich mit einem Ausweich Manöver und dem Sprung belegt, eure wohl wichtigsten Instrumente was die Fortbewegung angeht, denn besonders schnell ist man zu Fuß nicht.

Mehr Spieltiefe als gedacht!

ARMS

Quelle: Nintendo

Überraschenderweise läuft man auch nicht per Analogstick, sondern auch per Bewegungssteuerung. Denn die Joy-Cons müssen gerade nach oben ausgerichtet sein. Neigt man diese nach vorn, so läuft auch die Figur nach vorn. Zudem können Schläge auch geblockt werden, das ist aber nur im Stand möglich. Auch können Schläge aufgeladen werden. Zugegeben, das Konzept bedarf zunächst einiger Eingewöhnungszeit, aber wenn das erst mal in Fleisch und Blut übergegangen ist, fängt der Spaß erst richtig an. Durch die eher träge Fußarbeit wird das Spiel so richtig taktisch. Geht man nämlich mit einem Schlag in die Offensive, so ist diese Seite offen und anfällig für Gegenangriffe. Selbst wenn man zu viele Schläge auf einen der Arme abbekommt, ist dieser kurz wie gelähmt. Damit ergeben sich quasi drei Trefferzonen: Der Körper und jeweils beide „ARMS“. Fährt man beide Arme gleichzeitig zum Schlag aus, führt der Kämpfer einen Wurfangriff aus, der besonders stark ist und den normalen Block durchbrechen kann. Dafür ist man besonders anfällig, falls der Gegner ausweichen kann, denn dann ist man komplett ungeschützt. Wie ihr seht ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, wie ein Kampf aussehen kann. Damit aber noch etwas Würze dabei ist, gibt es auch Bomben, diese werden zufällig hin und wieder in die Arena gedroppt und explodieren nach einiger Zeit. Die Zeit kann man entweder nutzen um zu flüchten, oder um die Kugel bis dahin zum Gegner zu schlagen, denn der Schaden ist verheerend. Durch erfolgreiche Treffer füllt sich zudem eine Leiste, die, wenn sie voll ist, uns einen Spezialangriff ausführen lässt. Dieser fällt je nach Charakter und ARMS Aufsatz unterschiedlich aus, ist in jedem Fall aber sehr mächtig. Leert sich die Energie, ist der Kampf verloren.

ARMS

Quelle: Nintendo

Daher spielt sich ARMS eben nicht wie ein Wii Sports Boxspiel, sondern viel facettenreicher, lustiger und vor allem bietet es mehr Tiefe. Denn reines drauf hauen nützt hier nichts, viel wichtiger ist die richtige Kombination aus Angriff, Block und Ausweichen, wodurch ARMS ein schöner, taktischer Prügler geworden ist. Die Kämpfe bekommen eine wunderbare Dynamik und die Steuerung per Joy Cons ist zudem wunderbar gelungen und sogar dem Pro Controller vorzuziehen, da man den Schlägen dank der Bewegungssteuerung mehr Präzision verleihen kann. Ich hätte mir trotzdem noch eine andere Schlagart gewünscht, etwa Bodenschläge, damit es neben den normalen Schlägen nach vorne auch noch mehr Variation gäbe, was die reinen Angriffstechniken angeht. Die Arenen sind Nintendo typisch natürlich auch nicht nur einfache kleine Kampfzonen, sondern verfügen über ihre Eigenheiten. Im Domizil von Springman etwa gibt es kleine Trampoline an den Seiten, die man für sich nutzen kann, auf einer anderen Map gibt es etwa bewegliche Platten, auf denen man sich schneller fortbewegen kann, oder auf einer anderen Map verlagert sich der Kampf auf einen Parkplatz, auf dem man parkende Autos als Deckung nutzen kann. Somit sind die Kämpfe enorm spaßig und dynamisch.

ARMS

Quelle: Nintendo

Aufgelockert wird das noch durch nette Minispiele. So gibt es etwa eine Arena, auf der man Basketball spielt. Naja, zumindest fast. Denn hier gilt es den Gegner in den Basketballkorb zu zimmern, was nur mit dem Wurfangriff möglich ist. Je nach Entfernung gibt es 2 oder drei Punkte. Darüber hinaus kann man auch Volleyball spielen oder Zielscheiben treffen. Davon wünsche ich mir noch mehr, denn diese Maps sorgen für eine schöne Abwechslung zum herkömmlichen Geschehen und wurden dabei auch kreativ umgesetzt. In Form eines Minispiel Turniers würde das sogar noch mehr Spaß machen, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Viele ARMS, wenig Solo-Umfang

Das liegt aber auch daran, dass die namensgebenden „ARMS“ unterschiedlicher nicht sein könnten. Nicht nur, dass jeder Prügler seine eigenen ARMS hat, man kann im Laufe des Spiels nämlich noch viele weitere freischalten, die alle unterschiedlich sind, aber auch ihre Vorteile und Nachteile mit sich ziehen. Ob große wuchtige Kugeln, die langsam, aber dafür aber viel Schaden anrichten und gut für die Verteidigung sind, oder schnelle, rankenähnliche Peitschen, die durchaus überraschend auf einen zukommen können. Aus den verschiedenen Armen kann man immer drei in den aktiven Bestand wählen.

Vor einem Match besteht dann die Möglichkeit pro Arm einen von denen zu wählen. Somit bin ich nicht drauf angewiesen denselben Aufsatz für beide Arme zu wählen, sondern kann auch frei kombinieren, um die jeweiligen Vor –und Nachteile besser auszuspielen. Ich hätte mich hier zumindest über eine kleine Tabelle über die jeweiligen Werte gefreut, so muss man jeden Arm erst einmal selbst ausprobiert haben, damit man weiß wie sich dieser spielt. Aber das ist nicht einmal ein wirklicher Nachteil, denn das Ausprobieren derer oder verschiedener Kampftechniken macht einfach richtig Laune. Doch nachdem man so seine Stunden mit dem Spiel verbracht hat, machen sich auch erste Anzeichen von Ermüdung breit, nicht etwa körperlich, sondern eher, weil es außerhalb dieser Kämpfe nicht viel gibt, zumindest für Solo Spieler. Denn ich kann mich zwar im Grand Prix Modus austoben, aber dieser Modus ist nichts anderes als eine reine Anreihung von 10 Kämpfen. Story, Präsentation, Inszenierung, geschweige denn eine Kampagne: Fehlanzeige.

ARMS

Quelle: Nintendo

Lustiger ist dagegen der Online-Modus, der funktioniert sogar überraschend gut für Nintendo Verhältnisse, die Spielersuche verläuft wahnsinnig schnell, die Server sind zudem stabil. Herzstück soll aber der klassische Versus Modus sein, indem man gegen seine Freunde antritt. Hier besteht ähnliches Eskalationspotenzial wie etwa in Mario Kart, und somit für wunderbare Zocker Abende. Dabei empfehle ich jedoch auch nur die 1 vs. 1 Duelle. 2 vs. 2 oder 1 vs. 1 vs. 1 machen ebenfalls Spaß, dort geht aber schnell die Übersicht verloren, und da man den Gegner nicht frei anvisieren kann, richtet sich der eigene Prügelknabe nicht immer so aus wie man will, das kann mitunter nervig sein. Somit hoffe ich, dass Nintendo das Spiel mit weiteren Charakteren und Arenen füttert, um den Spaß stetig aufrecht zu erhalten. Aus technischer Sicht gibt es wenig Grund sich zu beschweren. Die Grafik ist quietschbunt, detailliert und das Geschehen wird mit einer flüssigen Bildrate dargestellt. So wie man es sich auch bei einem Kampfspiel wünscht. Besonders der sympathische Grafikstil und die schönen Effekte sind positiv anzumerken. 

Fazit

ARMS hat mich positiv überrascht. Das flippige und gleichzeitig so strategische Prügelspiel macht einfach richtig Spaß und bietet dank den vielen verschiedenen Aufsätzen für die „ARMS“ auch erstaunlicherweise viel Spieltiefe. Gerade wenn es gegen menschliche Kontrahenten geht blüht das Spiel so richtig auf. Solospieler sollten wegen des eher lieblosen Grandprix Modus und dem damit geringen Umfang über einen Kauf nachdenken. Wer jedoch einfach mal zwischendurch Lust auf ein paar Matches hat oder öfters Freunde um sich versammeln kann, kann mit ARMS fast nichts falsch machen. Dank der cleveren Steuerung, dem guten Balancing und einem innovativen Spielprinzip, belebt Nintendo ein nahezu festgefahrenes Genre wieder und belehrt alle eines besseren, die dem Titel nicht viel zugetraut haben, einschließlich mich!

Good

  • Spaßiges und kreatives Spielprinzip
  • Große Auswahl an "ARMS
  • Toller Mehrspieler ...
  • Sehr unterschiedliche Charaktere
  • Schöne Arenen und Minispiele ...
  • Taktisch geprägter Kampfverlauf
  • Hervorragende Bewegungssteuerung

Bad

  • Liebloser Grandprix Modus
  • Keine Story, wenig Solospieler Umfang
  • ... nur bei zu vielen Teilnehmern unübersichtlich
  • ... nur etwas zu wenige
  • Kampfsystem hätte noch ein wenig komplexer ausfallen dürfen
8.2

Toll

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