Ein Zombie kommt selten allein – They Are Billions im Test

Zombie-Spiele gibt es ja zuhauf. Aber Zombiespiele in Form eines Echtzeit-Strategiespiels wie es They are Billions ist, sicher noch nicht. In diesem Game müsst ihr euch in einer apokalyptischen, von Zombies versuchten Welt beweisen. Und Zombies gibt es hier viele. Sehr viele!

Mehr als nur Siedlungsaufbau

They are billions

Quelle: Numantian Games

They are Billions ist eine Mischung aus Tower Defense und Echtzeit-Strategie, denn egal welchen Modus ihr wählt, die Grundmechaniken bleiben dieselben. Es gilt in einer Art Steampunk-Welt eine Siedlung aufzubauen und sich gegen Massen von Infizierten zu schützen. In klassischer Manier werden Rohstoffe wie Holz, Nahrung, Energie, Stein oder Gold gesammelt. Um aber überhaupt Arbeiter dafür zu bekommen, müssen Hütten, bzw. Häuser errichtet werden. Diese kosten wiederum Ressourcen, ähnlich wie sämtliche Produktionsstätten. Wie aus diversen Aufbau-Simulationen bekannt, gibt es auch hier Wertschöpfungsketten, diese müssen jedoch auch erst erforscht werden, was auch an euren Rohstoffen nagt. So ergibt sich zwangsweise ein gewisser Mangel, der dem Spiel aber durchaus guttut. Denn so muss abgewogen werden, in welche Richtung man zuerst forscht, welches Produktionsgebäude als nächstes gebaut werden soll, oder ob man lieber in seine Armee investiert.

Aufgrund der Ressourcen-Knappheit muss man nach und nach expandieren. Holz kann schließlich nur in Wäldern abgearbeitet, Fischerhütten müssen am Wasser stehen und auch Steinbrüche befinden sich nicht überall. Das Vorgehen dabei verlangt eine sehr strategische Vorgehensweise, denn euer Wirtschaftskreislauf darf dabei nicht aus den Fugen geraten, was sich mitunter als große Herausforderung darstellt.

Koordinations-Genie

They are billions

Quelle: Numantian Games

Nun wäre der Aufbau einer Siedlung ja noch eine sehr machbare Aufgabe, nur wie der Titel des Spiels erahnen lässt, man ist nicht ganz allein. Denn auf der Map befinden sich immer wieder Zombies, mal nur einzelne, mal aber auch größere Herden. Kommt man ihnen beim Expandieren nicht in die Quere, stören die auch nicht groß. Jedoch werden in regelmäßigen Abständen große Herden angekündigt. Ein Countdown läuft dabei runter und kündigt nur die grobe Himmelsrichtung der Zombie-Massen an. Diese strömen dann in Richtung eurer Siedlung und zerstören alles, was ihnen so gerade zwischen die Hände gerät. Anfangs fallen diese Angriffe nur dezent aus, im späteren Verlauf sind es zwar nicht die versprochenen Milliarden aus dem Spieltitel, aber es sind definitiv Hunderte, vielleicht auch mehr.

Natürlich will man die Infizierten nicht einfach gewähren lassen. Zur Verteidigung stehen eine Reihe an Möglichkeiten zur Verfügung. Es können Mauern errichtet werden, die die Angreifer zumindest temporär aufhalten können, dabei hält eine Mauer aus Stein natürlich länger stand, als ein einfacher Holz-Wall. Aber auch das zehrt an den Ressourcen und schnell gerät man ins Straucheln. Schließlich muss die Wirtschaft wachsen, um die Mehrausgaben stemmen zu können, gleichzeitig sollten die Mauern auch die ganze Siedlung umschließen, um diese schützen zu können. Aber Mauern alleine reichen natürlich nicht. Auch Türme können erbaut werden, auf denen man einige Schützen positionieren kann. Hier gibt es verschieden Einheits-Typen, wenn auch leider nur sehr wenige. Ein Soldat etwa kann schnell feuern, der Schaden den er je Schuss bewirkt fällt jedoch sehr gering aus. Ein Scharfschütze dagegen hat eine hohe Feuerkraft, die Schussrate ist dafür jedoch gering. Doch selbst der Soldat ist immer noch eine stärkere Waffe als der Bogenschütze, der auch anfangs ausschließlich zur Verfügung steht.

They are billions

Quelle: Numantian Games

Ich hätte mir da aber mehr Variationen gewünscht, sowie etwas mehr Kreativität. So hätte man Nahkämpfer integrieren können, als auch Armbrustschützen, Schrotgewehrschützen, Soldaten mit Maschinengewehr oder auch Alchemisten mit Molotow-Cocktails. Hier verschenkt man Potenzial. Mehr Variationen hätten auch die Angreifer vertragen, es gibt zwar etwas dickere und etwas dünnere Infizierte, aber insgesamt stammen die Zombies scheinbar aus einer Klonfabrik. Auch hier hätte man verschiedene Gegner-Typen einbauen können. Es gibt neben den menschlichen Verteidigern auch noch selbstschießende Verteidigungsanlagen, die eine hohe Durchschlagskraft besitzen, aber teuer in der Anschaffung sind. So muss abgewogen werden, welche Maßnahme sich am effektivsten zeigt und dabei auch im Budget liegt. Die Angreifer sind an sich zwar nicht sonderlich stark, aber die Masse macht den Unterschied. Selbst auf dem leichten Schwierigkeitsgrad wird man bereits von sehr großen Massen im späteren Verlauf heimgesucht, weshalb der Schwierigkeitsgrad hier insgesamt schon sehr hoch liegt. Glücklicherweise gibt es auch eine Funktion, um die Zeit zu stoppen. Dies kann man nutzen, um die aktuelle Situation zu analysieren und die weitere Vorgehensweise zu planen.

Survival > Kampagne

They are billions

Quelle: Numantian Games

Den meisten Spaß wird man mit diesem fordernden RTS mit dem Survival-Modus haben. Hier genießt man alle Freiheiten und kann eine vorher definierte Zahl an Tagen überleben (oder eben auch nicht). Es kommen alle Spielmechaniken tragend zum Zug und entfesseln ein richtiges Suchtpotenzial. Schließlich hat man immer den Gedanken im Hinterkopf „Ich muss wachsen, die nächste Welle wird noch stärker“. Im Gegensatz dazu flacht die Kampagne voll dagegen ab. Auf einer Weltkarte wählt man meist uninspirierte Missionsziele an. Mal muss eine bestimmte Bevölkerungszahl erreichen, mal einfach nur eine gewisse Anzahl an Tagen überleben. Selten wird mal mit Bildern versucht sowas wie eine Story darzustellen. Im Grunde hat die Kampagne jedoch nichts zu erzählen und dazu kommt, dass man nicht die Freiheiten des Survivalmodus wahrnehmen kann. So entpuppt sicher dieser Modus nur als nette Dreingabe, aber von einer Bereicherung kann man hier nicht sprechen. Ich hätte mir zudem noch eine Art Koop-Modus gewünscht, bei der man mit einem Freund zusammen eine Siedlung errichten kann.

Unschwer zu erkennen ist der grafisch sehr minimalistische Stil, der nicht besonders einladend wirkt und auch nicht allzu viel hermacht. Nach und nach wurde ich dann aber doch mit der Grafik warm und empfand den Comic-Look durchaus passend. Zudem kommt der Minimalismus sehr der Performance zugute. Einbrüche der Bildrate sind mir nie untergekommen. Zudem geht die Steuerung gut von der Hand, trotz dass ich die Xbox-Version getestet habe und somit an einen Controller gebunden war. Die Menüs sind gut anwählbar und auch die Auswahl der Einheiten funktionierte problemlos, leider nur ist die Kamera relativ statisch und kann nicht gedreht werden. Einzig die KI hat mitunter schwankende Momente. Mal war etwa die Laufroute der Einheiten einwandfrei, manches mal wurden aber unnötige Umwege gegangen. Zu Frustration führte das in meinem Fall aber glücklicherweise nicht, Verbesserungspotenzial besteht diesbezüglich trotzdem noch.

they are billions

Quelle: Numantian Games

Fazit

Sich gegen Horden von Infizierten zu stemmen macht an sich ja schon Spaß. Dabei aber eine gut funktionierende Aufbau-Simulation mit an die Hand zu bekommen ist ein noch größerer Spaß. They are Billions ist ein sehr forderndes Strategiespiel, indem sowohl eure Wirtschaft funktionieren muss, als auch eure Verteidigungspläne gegen enorme Zombie-Massen. Dabei entwickelt das Spiel im Survival-Modus ein echtes Suchtpotenzial, da der Mix aus Forschung, Aufbau und dem Adrenalin bei der Verteidigung der Siedlung enorm motivieren. Etwas mehr Einheiten-Typen und mehr Variationen bei der Darstellung der Angreifer hätten dem Titel gut zu Gesicht gestanden. Zudem fesselt die Kampagne kaum, die es nicht schafft irgendeine packende Story zu vermitteln. Der Survival-Modus reicht dennoch um mit diesem Spiel sehr viele Stunden Spaß zu haben, da der Wiederspielwert hier hoch ist. Für Fans von RTS Games oder Tower Defense ist dieses Spiel definitiv einen Blick wert.

Good

  • Sehr fordernd ...
  • Zombies, Zombies und noch mehr Zombies!
  • Durchdachtes Aufbau -und Wirtschaftssystem
  • Strategisch durchdachtes Balancing
  • Flüssige Bildraten trotz vieler Gegner

Bad

  • ... für Anfänger vielleicht etwas zu fordernd
  • Flache Kampagne
  • Zu wenig Einheiten -und Gegnervielfalt
8.2

Toll

The Guy who loves Videogames

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