Trackmania Turbo im Test – Alles ist erlaubt, solange es Spaß macht

Wenn auch dank dem langen Wochenende etwas verspätet, so kommt hier unser Test zu Trackmania Turbo, dem neuesten Ableger der etwas anderen Rennspiel-Serie. Der Arcade-Klassiker soll mit rasanten und verrückten Strecken aufwarten und den Spieler so in seinen Bann ziehen, wie es schon die letzten 12 Jahre immer wieder geschah. Doch ist das auch heute noch genug, um ein gutes Rennspiel auszumachen? – Ja, irgendwie schon.

Alles, bloß nicht langweilig

Trackmania Turbo (3)

Quelle: Ubisoft

Wenn ich an Trackmania denke, dann kommen mir als erstes die Strecken in den Sinn. Während sich Rennspiele heute immer mehr an die Realität annähern sollen, so bleibt Trackmania den Wurzeln treu. Da baumelt unser Wagen an einem Hubschrauber weit in der Luft und es ertönt ein Countdown „Drei, zwei, eins … GO“ und schon fallen wir auf eine Rampe zu und noch ehe wir diese verlassen haben, zeigt der Tacho schon 200. Und so geht es dann auch weiter, gleich geht es in den ersten U-Turn, daraufhin ein Sprung durch einen Funkmast, und gleich die nächsten scharfen kurven und… wir fahren mit 400 Sachen gegen einen kleinen Felsen und werden durch die Luft geschleudert. Naja, einfach Neustart drücken und wir sind zehn Sekunden später wieder an dem kleinen Felsen. Genau da liegt die Idee von Trackmania, einfach nur Geschwindigkeit und wenn es mal nicht klappt, einfach erneut probieren. Gerade das erneut probieren stellt einen essentiellen Teil des Spieles dar, denn es vergibt keine Fehler. Ein Mal irgendwo dagegen gefahren und man verliert direkt die Kontrolle und wird oft aus der Bahn geworfen. Eventuell fängt man sich nach wenigen Sekunden wieder, doch diese Sekunden bedeuten, dass mehr als die Bronzemedaille nicht erreicht werden kann. Klingt vielleicht etwas hart, aber wenn man bedenkt, dass die meisten vorgefertigten Strecken so zwischen30 – 50 Sekunden dauern. Davon gibt es allerdings immerhin 200, wobei viele den Serienveteranen bereits bekannt sein sollten, denn von den vier Orten Canyon Grand Drift, Down & Dirt Valley, Achterbahn Lagoon und International Stadium sind drei aus Vorgängern übernommen und nur leicht abgeändert. Dies sollte dem Spaß allerdings nichts abtun. Jeder der 4 Orte besitzt Besonderheiten, so sind in International Stadium in erster Linie breite, futuristisch anmutende Strecken zu befahren und in Achterbahn Lagoon gibt es zum Beispiel magnetische Strecken, wodurch aberwitzige Kopfüberkurse etc. ermöglicht werden. Passend zu den vier Orten gibt es auch nur vier verschiedene Fahrzeuge, welche jeweils mit einem dieser Orte verbunden sind. Das heißt dann also auch, dass man nicht extra das Auto mit dem stärkeren Motor oder das mit der besseren Kurvenhaltung freischalten muss, sondern einfach nur die Ideallinie finden muss. Ebenso lässt sich daran nicht modifizieren, abgesehen von der Lackierung. Kurz gesagt: Man muss einfach die Fahrkünste perfektionieren um gute Zeiten zu erreichen. Ausreden wie „Die Steuerung ist zu kompliziert“ können bei Trackmania Turbo allerdings auch nicht angewendet werden, denn bis auf Beschleunigen, Bremsen und Lenken gibt es keine weiteren Tasten, die zwingend nötig sind. Nun, vielleicht noch die Zurücksetzen oder Neustart Buttons. Viel mehr gibt es dann aber auch gar nicht, nur Buttons für den Rückspiegel, um die Kameraperspektive ändern zu können und um die Musik ausschalten. Leider aber keinen um die Kommentare aus der Box abzuschalten, bei jedem Rüttler oder passierten Checkpoint hört man dieselben 5-10 Sätze, was anfangen kann zu nerven.

Trackmania Turbo (8)

Quelle: ubisoft

Die Sucht nach Bestzeiten

Solltet ihr alleine sein und die Solo-Kampagne spielen, so müsst ihr die 200 Strecken jeweils in Zehnerpacks durch errungene Medaillen freischalten. Bei den ersten 80 Strecken heißt es noch „Zehn mal Bronze für zehn neue Strecken“, daraufhin muss es allerdings „80 Mal Silber für 10 neue Strecken sein“ bevor daraufhin wieder mit zehn Silbermedaillen für zehn Strecken weiter gemacht wird. Ich persönlich kann solchen Systemen gar nichts ab, zumal es einfach Strecken gibt, bei denen man einfach kein Silber oder Gold erreichen kann ohne die Strecke 50 Mal zu fahren. Und genau für solche Leute hat Nadeo ein Joker-System eingebaut, denn dadurch kann man niedrigere Medaillen (wenn drei Mal auf der jeweiligen Strecke erreicht) in höhere umtauschen um so doch die nächsten Strecken in Angriff nehmen zu können, ohne Stundenlang Grinden zu müssen, was sicherlich viele Spieler vergraulen würde. So kann man nahezu Problemlos in den Geschmack sämtlicher Strecken kommen, oder zumindest den meisten, da die letzten 40 Goldmedaillen zum Freischalten benötigen, und man somit auf diversen Strecken drei Mal Silber erspielen müsste um den Joker zu nutzen. Allgemein ist es etwas Schade, dass man drei Versuche durchführen muss, da man das Spiel somit schlussendlich doch den Spieler zwingt, die Strecke oft zu wiederholen. Dasselbe gilt auch für den Double-Driver-Modus, welcher auf den selben Strecken spielt. In diesem Modus darf ein zweiter Spieler mit ins Auto und beide dürfen getrennt voneinander Beschleunigen, Bremsen und Lenken. Dass dieser Modus schnell zum Chaos wird ist nicht nur abzusehen, sondern auch äußerst unterhaltsam. Doch dem nicht genug, entgegen der meisten anderen aktuellen Rennspielen bietet Trackmania Turbo nicht nur einen Couch-Koop-, sondern auch einen Splitscreen-Modus. Allein dieser Modus ist schon ein sehr großes Plus für das Spiel. Mit bis zu 16 Spielern könnt ihr Lokal in die verschiedensten Modi wie Hot Seat, Arcade oder diverse andere, die über Tastenkombinationen freigeschaltet werden, eintreten und dort zusammen auf Rekordjagd gehen.

Trackmania Turbo (5)

Quelle: Ubisoft

Doch selbstverständlich kann man auch Online mit anderen Spielen oder versuchen ihre Bestzeiten zu knacken. Jede Bestzeit die ihr auf einer Strecke erreicht, wird sofort in die Bestenlisten übertragen, und wenn man dann einmal sieht, dass man nur wenige Plätze von dem ersten Platz entfernt ist (Sei es im Bundesland, Land oder Weltweit), setzt der Spielerehrgeiz ein und man wird diese Strecke wohl sicherlich noch einige Male Fahren. Wenn man es dann erst einmal irgendwie auf Platz 1 geschafft hat, wenn auch nur im Bundesland, ist es sicher ein Grund zum Feiern. Falls Bestenlisten an sich nicht so euer Ding sind, könnt ihr auch einfach ein normales Rennen mit Freunden oder Fremden fahren. Das erstaunliche daran ist die Masse an teilnehmenden Spielern. Wenn man einem Rennen beitritt und dann mit 100 anderen Spielern die Strecke teilt, ist das schon eine ziemlich spannende Sache. Alternativ könnt ihr auch selbst Strecken bauen und Herausforderungen erstellen und daraufhin einfach zusehen, wie andere diese Strecke meistern wollen oder selbst die von anderen befahren, dadurch kommt also quasi unbegrenzt Nachschub an neuen Strecken jeglicher Art.

Bau dir deine Strecke

Das ist dann nämlich auch der dritte große Punkt in Trackmania Turbo, der Strecken-Editor bzw. „Trackbuilder“. Hier sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Egal ob eine einfache kreisförmige Strecke ohne viel drum herum oder eine bei der der Fahrer keine Ahnung hat wo oben und unten ist. Der Trackbuilder lässt sich in drei Versionen bedienen: Anfänger, Normal, Fortgeschrittener. Während man im Anfänger Modus wirklich nur auf die Basics beschränkt ist und keine wirklich spannenden Kurse bauen kann, kann man im Fortgeschrittenen-Modus sogar die Dekoration selbst bestimmen. Allerdings ist dieser auch nicht all zu einfach zu bedienen und um spannende, sowie gut fahrbare Strecken zu bauen, muss man einiges an Zeit darein investieren. Der Trackbuilder läuft nicht wie ein typischer Mapmaker ab, in welchem man die Strecke frei ziehen kann, sondern man muss auf vorgefertigte Teile zurück greifen. Diese passen dann oft nicht zusammen oder müssen höher liegen oder sonst was. Dann heißt es, Verbindungsstücke suchen und alles irgendwie zurechtbiegen. Erschwert wird es dadurch, dann man die Streckenteile nicht frei bewegen kann, sondern dass immer ein Teil nach dem anderen direkt festgemacht werden muss, was tatsächlich oft etwas schwierig wird. Hat man sich allerdings erst einmal etwas eingearbeitet, so ist man in der Lage seine Traumstrecken zu bauen und optisch ansprechend zu dekorieren.

Fazit

ChrisDass es die Trackmania-Reihe schon seit zwöf Jahren gibt wundert mich nicht, und es würde mich auch nicht wundern, wenn sie auch noch viele weitere Jahre existieren würde. Wenn ich eine Bestandsaufnahme aktueller Rennspiele mache, muss ich leider feststellen, dass mir kaum eines so viel Spaß machte wie Trackmania Turbo, zumal sie sich kaum noch unterscheiden und der Widererkenungswert immer weiter abnimmt. Sehe ich hingegen einen Trackmania-Kurs, weiß ich sofort zu welchem Spiel er gehört. Es sind einfach die verrückten und schnellen Strecken, die so viel Spaß machen. Ich bin einfach kein Fan davon, 5 Runden á 1:30 Min zu fahren, sondern will immer etwas neues sehen. Dazu kommt noch der sehr positive Fakt, dass Trackmania Turbo eines der wenigen aktuellen Rennspiele ist, das einen Couch-Koop- bzw. Splitscreen-Modus aufweist. Und da das Spiel über einen äußerst umfangreichen Trackbuilder verfügt, verzichte ich gerne auf eine Garage mit 100 Autos, welche ich von den Felgen bis zur Zündkerze personalisieren kann. Hinzu kommt noch, dass die Bestenlisten immer zum besser werden anregen und quasi unbegrenzt Nachschub an neuen Strecken von anderen Spielern kommt, welche man auch direkt Online gegen dutzende andere Spieler fahren kann. Trackmania Turbo macht als Gesamtpacket einfach Spaß.

Good

  • Schnell erlernt
  • Verrückte Strecken
  • Splitscreen und Couch-Koop
  • Strecken-Editor
  • Motivierende Jagt nach Bestzeiten

Bad

  • Strecken teilweise unübersichtlich
  • Fahrzeuge rutschen zum Teil sehr stark
  • Strecken aus alten Teilen übernommen
8.9

Toll

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