No Man’s Sky im Test – Mehr als das große Nichts?

Seit der Ankündigung von No Man’s Sky wurde der Hype um das Spiel nur immer größer. Kein Wunder, denn die ersten Trailer und Versprechen der Entwickler bei Hello Games versprachen eine gigantische Galaxie mit unzähligen frei begehbaren Planeten. Das haben sie schlussendlich zwar auch gehalten, aber andere Versprechen konnten wohl leider nicht eingehalten werden. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Test.

Atlas, Nada und Polo oder lieber gar nichts?

 

No Mans Sky (2)

Quelle: Hello Games

Wir sind auf einem zufälligen Planeten irgendwo in der Galaxie gestrandet, und neben uns befindet sich ein rauchender Trümmerhaufen, das wohl mal unser Raumschiff war. Wer wir sind und was wir hier machen ist nicht bekannt, das wird sich im Spielverlauf auch nie aufklären. Direkt neben unserem Raumschiff finden wir eine Kapsel über welcher beim Interagieren ein roter Orb erscheint, der sagt (es ist ein Text – nicht vertont) er kenne uns besser als wir selbst und wir sollen ihm folgen. Nun hat man die Möglichkeit, sich für den Weg des Atlas zu entscheiden, in welchem man eben solchen Orbs ins Herz der Galaxie folgt, oder man lehnt ab und geht seinen eigenen Weg. In beiden Fällen gilt es, Ressourcen zu sammeln (dazu später mehr) und unser Raumschiff zu reparieren und mit einem Hyperantrieb auszustatten, damit wir in die nächsten Sonnensysteme springen können. Rufen wir die Sternenkarte mit 18 Trillionen möglichen, prozedural generierten, Planeten auf, stehen wir vor einer schieren Endlosigkeit und uns steht mindestens ein vorgefertigter Weg zur Verfügung, und zwar der Weg ins Zentrum der Galaxie. Haben wir dem roten Orb zugestimmt, können wir auch dem Weg des Atlas folgen, welcher uns ebenfalls ins Zentrum der Galaxie bringt, allerdings etwas religiös anmutende Story bereithält. Hier müssen wir an zehn Atlas-Schnittstellen vorbei, welche uns alle mit einem mysteriösen Text und einem Atlas-Stein belohnen (diese müssen bis zum Ende aufbewahrt werden), bis wir schlussendlich zum Finale kommen. Sind wir alleine unterwegs, können wir uns komplett selbst den Weg bestimmen, ohne an bestimmten Punkten halten zu müssen. Egal für was ihr euch entscheidet, nach gewisser Zeit begegnet ihr mit Sicherheit den zwei Aliens Nada und Polo, welche euch den Weg ins Zentrum der Galaxie etwas erleichtern können. Entweder sie weisen euch den Weg zur nächsten Atlas-Schnittstelle oder sie zeigen euch ein schwarzes Loch, das euch ein ganzes Stück Zeit auf dem Weg zum Zentrum spart. Was ihr schlussendlich wählt, ist euch überlassen und hat auch kaum Auswirkungen auf die eigentliche Reise durch die Galaxie, lediglich dauert der Weg ins Zentrum alleine gut einige Stunden mehr als wenn ihr schwarze Löcher nutzt oder dem Atlas folgt.

Suchen, Abbauen, Verbessern - repeat.

No Mans Sky (3)

Quelle: Hello Games

Die Kernmechanik in No Man’s Sky beläuft sich auf das suchen und abbauen von Ressourcen. Ihr werdet schnell merken, dass euer Startraumschiff zu wenig Technologie mit sich bringt um sich effektiv zu bewegen. Daher bedeutet das, ihr müsst erst einmal Baupläne für diese Technologien in einer der kleinen (meist unbewohnten) Basen auf einem Planeten finden. Habt ihr diese gefunden, so heißt es als nächstes die benötigten Rohstoffe für eben diese Technologie finden und abbauen. meist lauft ihr dafür einfach über den Planeten und hofft das richtige Material zu finden. Leider ist die Vielfalt an verschiedenen Rohstoffen recht begrenzt, wodurch kaum Komplexität dabei entsteht. Findet ihr das richtige, so richtet ihr euren Bergbau-Strahl darauf und baut den Felsen, die Pflanze oder was auch immer ihr findet Stück für Stück ab, während die verbleibenden Teile einfach in der Luft schweben bleiben, anstatt zu fallen. Habt ihr also genug Material gesammelt, könnt ihr eine neue Technologie für euren Raumanzug, euer Raumschiff oder euer Werkzeug bauen. Aber achtung: leider ist der Platz im Inventar des Anzuges und im Inventar der Raumschiffes sehr begrenzt und jede Technologie nimmt einen Inventarplatz dauerhaft ein. Das bedeutet im Umkehrschluss: weniger Platz für Ressourcen. Also wird man schnell merken, dass ein neues Raumschiff her muss. Entweder man sucht die Planetenoberfläche nach abgestürzten Raumschiffen ab, oder man kauft sich ein neues an einer der Raumstationen, welche in jedem Sonnensystem verfügbar sind. Kauft man sich eines, so muss man eine ordentliche Stange Geld parat haben, sucht man sich eines, so ist das Raumschiff meistens nur einen Platz besser als das alte. Dementsprechend ist es ein ewiges hin und her zwischen neuer Technologie bauen, Ressourcen abbauen und selbige wieder verkaufen weil der Platz aus ist. Dies ist allerdings auch wirklich das, was in No Man’s Sky die meiste Spielzeit in Anspruch nimmt. Durch fehlende Komplexität wird das allerdings auch irgendwann etwas öde. Zum Glück kann man noch die Planeten an sich etwas erkunden und die immer gleichen kleinen Gebäude auf den Planeten entdecken.

Kämpfe zum verzweifeln

Früher oder später kommt der Punkt, an dem ein Kampf im Spiel unausweichlich ist. Sei es, weil ihr von einer der Wächterdrohnen entdeckt werdet, wie ihr Ressourcen abbaut und so den Planeten beschädigt, und diese euch daraufhin angreift oder weil ihr in eine verlassene Fabrik einbrecht um diese zu reparieren. Die Kämpfe auf dem Boden laufen immer gleich ab und sind nicht sonderlich spannend und eher ermüdend. Die Wächterdrohnen-KI ist nicht sonderlich hoch und sie sind trotz mangelhafter Steuerung auf der Konsole sehr schnell zu zerstören, allerdings darf man sich nicht mal etwas Action erhoffen, denn in der Regel steht man sich bei den Kämpfen sowieso nur gegenüber und springt eventuell etwas mit dem Jetpack herum, aber Geschwindigkeit darf man hier keine erwarten. Gleiches gilt, wenn man gegen die Fauna des Planeten kämpfen will, diese stürmen auf den Spieler zu und greifen an, danach stehen sie kurz herum um sich wohl treffen zu lassen. Da hofft man, dass die Weltraumgefechte wie vom Entwickler versprochen spannender werden. Gleich vorab, die erwarteten riesigen Weltraumschlachten und das Zerstören von gigantischen feindlichen Raumschiffen kann man vergeblich suchen. Greift man selbst an, so treten recht schnell ein paar Wächterschiffe auf den Plan, die sich ebenfalls schnell Zerstören lassen, bis es immer mehr werden, und man entweder zur nächsten Raumstation oder zum nächsten Planeten fliehen muss, oder man zerstört wird. Der Impulsantrieb ist in Gefechten (wieso auch immer) offline, sodass ein schnelles Fliehen unmöglich ist und man meist gar nicht fliehen kann -dementsprechend sollte man sich gut überlegen ob und wo man angreifen möchte. Leider kann man nicht immer selbst entscheiden ob man kämpfen möchte oder nicht, immer wieder bekommt man die Meldung, dass feindliche Schiffe angreifen und man bremst automatisch aus dem schnellen Impulsantrieb an und fliegt langsam weiter – somit ist das Gefecht oft unausweichlich. Besonders nervend ist dies dann, wenn gleich fünf Raumschiffe angreifen und man selbst gar nicht hinterherkommt diese anzugreifen, oder auch nur anzuvisieren (hier macht die Steuerung wieder Probleme). Leider kommen diese Angriffe bei vollem Raumschiffinventar immer öfter vor und man ist irgendwann einfach nur noch genervt davon. Sollte man ein Gefecht verlieren, findet man das verlorene Raumschiffinventar allerdings im Weltraum wieder, wodurch Konsequenzen vom Verlust aus bleiben.

Einen Blick unter die Oberfläche

Die Technik in No Man’s Sky funktioniert zwar, haut aber nicht vom Hocker. Während man bereits jede Menge Berichte über diverse Bugs und Exploits findet, erfährt man selbst auch recht schnell die erste. Zumindest in grafischer Hinsicht ist das sehr wahrscheinlich. Sei es, weil die FPS-Rate auf der Konsole meist nur an den 30 FPS kratzt oder weil man im Flug auf die Planetenoberfläche oftmals einen Blick auf das Raster unter der Planetenoberfläche werfen kann und die Berge, Steine, Pflanzen und alles andere erst recht spät aufpoppen, dies bemerkt man vor allem, wenn man mit dem Raumschiff über den Planeten fliegt. Früher oder später wird es auch passieren, dass man Spalte ins Nichts findet und man einfach durch die Map fällt und nicht mehr heraus kommt. Das ist jedoch ein Bug, der bei Prozedural generierten Welten immer wieder auftaucht und schwer zu beseitigen ist. Die fehlende Physikeffekte sind leider auch ein ziemliches Manko, vor allem da man auf Planeten mit unterschiedlicher Schwerkraft unterwegs ist. Grafisch ist No Man’s Sky an sich allerdings nicht schlecht, einige Planeten sehen dank farblicher Vielfalt sehr schön aus und die Formen von Flora und Fauna variieren immer ein wenig. Gefallen tut auch der unterschiedlich schnelle Tag- und Nachtwechsel und recht scharfe (wenn auch spät aufpoppende) Texturen.

Fazit

Foto1No Man’s Sky versprach viel und konnte leider nur wenig davon halten. Auch wenn man eine riesige und zu Beginn auch abwechslungsreiche Galaxie bereisen kann, so stellen sich schnell Ermüdungserscheinungen ein, da man schon nach wenigen bereisten Planeten die komplette Spielmechanik durchschaut hat, welche sich quasi nur auf den Abbau der wenigen Ressourcen beläuft. Man muss natürlich sagen, dass die extreme Freiheit etwas besonderes ist, aber leider ist das Gerüst drum herum nicht überzeugend. Die ersten Stunden von No Man’s Sky machen Spaß, allerdings nahm dies bei mir mit steigender Spielzeit exponentiell ab, bis nicht mehr viel übrig war. Durch das Fehlen einer ausführlichen Story hat man schnell kaum noch Anreiz, seine Reise fortzusetzen, es sei denn man möchte einfach nur das Ende sehen.

Good

  • 18 Trillionen mögliche Planeten
  • Große Arten- und Objektvielfalt
  • Nie dagewesene Freiheit
  • Hübsches Design

Bad

  • Keine greifbare Story
  • Technische Fehler
  • Kaum Spieltiefe
  • Wenig Langzeitmotivation
6.7

Okay

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