Fallout 76 Review – Ein Abstecher nach Appalachia

In diesem Review werfen wir einen genauen Blick auf das kürzlich erschienene online Spiel Fallout 76 und erzählen euch, warum sowohl Solospieler als auch eingefleischte Multiplayer-Fans hier ihren Spaß haben können, worauf dann aber zu achten ist, und wo die jeweiligen Spielergruppen eventuell störende Faktoren finden können.

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Quelle: Bethesda

Charaktererstellung und raus aus der Vault

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Wie es sich für die letzten Fallout-Teile auch schon gehörte, so wird auch in Fallout 76 als aller erstes mal der Charakter erstellt, hierbei orientiert sich das System komplett an dem, was den meisten schon aus Fallout 4 bekannt sein sollte: Geschlecht, Hautfarbe, Frisur und Haarfarbe wählen, dann noch ein bisschen am Gesicht herumbasteln und gegebenfalls noch ein paar Narben, Makeup, Sommersprossen oder ähnliches hinzufügen und schon kann es losgehen. Je nachdem, wie viel Zeit man bereit ist zu investieren, und wie wichtig einem das Aussehen des Charakters ist, kann man auch relativ tief ins Detail gehen. Aber selbst wenn man einfach direkt mit dem eigentlichen Spiel loslegen will (oder man irgendwann den Charakter satt hat), eine Charakterbearbeitung ist nachträglich auch noch möglich. Aber nicht vergessen: wenn ihr den Fotomodus nutzt und euren Charakter damit Fotografiert, werden diese Fotos auch immer wieder mal während Ladebildschirmen angezeigt, also vielleicht lieber keinen Charakter erstellen, den ihr nicht ausstehen könnt – oder einfach keine Fotos davon machen. Steht der Charakter, kann es also losgehen. Ihr startet in Vault 76, einem Atomschutzbunker in West Virginia, der 30 Jahre nach dem Großen Krieg von 2077 geöffnet werden sollte, damit die Bewohner sich die von Atombomben zerstörte Welt zurückholen und wiederaufbauen können. In der Vault seid ihr allein (abgesehen von ein paar netten Robotern), und könnt euch erstmal mit der Steuerung vertraut machen und bekommt eure erste Ausrüstung. Ein paar erste Informationen zu eurer Mission bekommt ihr auch noch obendrauf. Das eigentliche Spiel beginnt jedoch erst, wenn ihr die Vault verlasst und in die Spielwelt entlassen werdet. Daraufhin könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr der Geschichte folgen werdet (welche von Robotern, Terminaleinträgen, Notizen und Holotapes erzählt wird) oder lieber einfach so drauf lospilgern wollt. Es empfiehlt sich jedoch, die ersten paar Hauptmissionen am Anfang zu machen, damit man ein wenig über die Welt und seine Geschichte erfährt, erste Erfahrungspunkte und Kronkorken (die Währung in Fallout) sammeln kann. Hat man daran kein Interesse, so kann es auch direkt frei losgehen.

Appalachia und seine Bewohner

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Vault 76 steht in West Virgina, genauer gesagt in der Region Appalachia, welche bekannt für ihre verschiedenen Mythen und auch für ihre Schwarzbrenner ist, von welchen ihr in Fallout 76 mehr als genug sehen werdet. Doch kommen wir erstmal auf Appalachia an sich zu sprechen. Anders als in den bisherigen Fallout-Spielen sieht Fallout 76 viel lebendiger und farbenfroher aus, teilweise schon so, als sei nichts passiert. Gerade wenn man auf einen Berg steigt, und einfach mal seinen Blick über die Naturlandschaft streifen lässt, will man am liebsten einfach mal inne halten und genießen (oder den Fotomodus einschalten). Egal in welchem der Gebiete man unterwegs ist, es wird eigentlich immer ein wunderschöner Anblick geboten. Natürlich gibt es in Appalachia auch mehr als genug zu entdecken, egal wo ihr hinlauft, ihr findet immer entweder einen kleinen, unmarkierten Ort, wie etwa ein ehemaliges Überlebendenlager oder eine alte Schwarzbrennerei oder auch einen größeren Ort, etwa einer Siedlung oder Farm, zu dem ihr dann auch später gegen einen kleinen Betrag an Kronkorken schnellreisen könnt. Unsere Testversion war auf der PlayStation 4 und dort sah das Spiel, wie auch schon von Bethesda angekündigt, deutlich hübscher aus als noch Fallout 4. Allerdings sind die Ähnlichkeiten zu eben diesem sehr deutlich sichtbar, es werden nämlich ziemlich viele der Assets aus Fallout 4 in Fallout 76 Recyclet.

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Was die Bewohner von Appalachia angeht, so gibt es an NPCs nur die Roboter, Menschen findet ihr nur in Leichenform (oder eben andere Spieler). Jedoch bietet das Spiel mehr als genug feindlich gesinntes Leben in der Welt. Auch wenn ihr zu Beginn wohl nur einen kleinen Teil, wie etwa Ghuls, Scorched, Supermutanten, oder auch einige Tiere, wie Wölfe, Hasen, Maulwurfsratten und co. zu Gesicht bekommt, so findet ihr später noch mehr als genug, Teils aus Appalachia-Mythen entsprungene Kreaturen. Das erste mal in den neuen Fallout-Spielen findet ihr mit den Scorched auch eine Art Ghul, die mit Waffen umgehen kann. Auf die Geschichte hinter den Scorched gehe ich hier mal nicht ein, da diese ein wichtiger Teil der Hauptgeschichte von Fallout 76 ist. Nur so viel sei gesagt: immer wieder mal werdet ihr ein sogenanntes Scorchedbeast auf Level 50 herumfliegen sehen, welches eine wichtige Rolle in der Scorched-Plage spielt.

Das C.A.M.P. System

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Das in Fallout 4 eingeführte Siedlungssystem, in welchem ihr euch mithilfe von Schrott, den ihr in der Welt findet und in Ressourcen zerlegen könnt, selbst eigene Siedlungen bauen könnt, findet in abgeänderter Form auch in Fallout 76 Anwendung. Zu Beginn des Spieles bekommt ihr das sogenannte C.A.M.P.-System zur Verfügung gestellt, mit welchem ihr nahezu überall (außerhalb von markierten Orten) euer eigenes Camp aufstellen könnt. Das System ist dem in Fallout 4 sehr ähnlich, ihr benötigt Ressourcen, um Gegenstände, Wände und co. zu bauen, braucht dafür jedoch vorher noch die Baupläne für eben diese, welche man immer wieder in der Welt findet. Hat man sich ein nettes Camp gebaut, kann man dieses auch als Blaupause speichern, um es an einem anderen Ort wieder aufzubauen. Das ist auch schon eines der Hauptfeatures des neuen C.A.M.P.-Systems: man kann es so oft man will, für eine kleine Menge an Kronkorken einfach verschieben. Das ist auch insofern nützlich, da man im Falle eines Todes immer an einem, auf der Karte markierten Ort respawnen muss, und das C.A.M.P. so quasi als Speicherpunkt dienen kann, falls man nichts anderes in der Umgebung gefunden hat. Generell ist respawnen am eigenen Camp auch immer kostenfrei, ebenso wie das Schnellreisen zu eben diesem. Was die Ressourcen angeht, die man braucht, um das Camp auszubauen, die Ausrüstung zu reparieren oder zum Teil auch um Nahrung herzustellen, so sind diese teilweise eher rar und teilweise in großen Mengen zu finden. Beispielsweise wird wohl kaum ein Spieler zu wenig Stahl finden, jedoch der ein oder andere sich nach Aluminium sehnen, welches man für nahezu jede Fernkampfwaffenreparatur benötigt, und nicht gerade in großen Mengen zu finden ist. Die Ressourcenverteilung ist also eher ungleich, was zwar logisch erscheint, aber gerade im Bezug auf Aluminium auch sehr schnell nervig werden kann, sodass es dann heißt, man muss aktiv danach suchen, oder an einem der wenigen Workshops, die man einnehmen kann, ein Aluminium-Abbaugerät aufstellen, zumindest dort, wo es möglich ist. Außerdem: bei jedem Tod verliert ihr all den Schrott, den ihr in Ressourcen zerlegen könnt, und hinterlasst eine kleine Papiertüte, die jeder (auch ihr) dann einsammeln könnt. Ein Tod ist also keine schlimme Sache.

Alleine oder doch zusammen?

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Kommen wir jetzt zu einer Frage, die sich wohl die meisten stellen, die dieses Review lesen: Sollte man das Spiel lieber alleine oder zusammen spielen? Die Antwort ist nicht so einfach zu geben, wie es einige bei der Ankündigung des online Fallouts im Rahmen der E3 2018 enttäuschte Fans dachten. Ich will hier zuerst auf die beiden Extremfälle von Spieler eingehen: den eingefleischten Solo-Spieler, der nichts von anderen Spielern wissen will und der hardcore Multiplayer-Fan, dem es nie genug Content mit anderen Spielern geben kann. Natürlich gibt es auch Mischformen, aber ich denke, durch eine extremere Betrachtung, kann jeder von euch die störenden oder auch positiven Punkte schneller erkennen. Betrachten wir nun zuerst den Solo-Spieler: Es ist gleich vorab zu sagen, dass es so etwas wie einen offline-Modus in Fallout 76 nicht gibt und private Server bisher auch noch nicht existieren, dementsprechend ist es recht selbstverständlich, dass ihr an dem ein oder anderen Punkt den Weg mit einem anderen Spieler kreuzen werdet. Die Frage ist natürlich, was das dann bedeutet, und ob man abgesehen von zufälligen Begegnungen anderen aus dem Weg gehen kann. Nun, ein anderer Spieler kann euch zum Beispiel zuwinken oder andere Aktionen des Emotionsrads nutzen um auf sich aufmerksam zu machen. Des Weiteren kann er euch in sein Team oder zum Handeln einladen, was ihr auch einfach ablehnen könnt. Ansonsten bleibt dem Gegenüber eigentlich nur noch die Möglichkeit, seines Weges zu gehen, oder auf euch zu schießen. Letzteres klingt schlimmer als es ist, denn wenn ein anderer Spieler auf euch schießt, bekommt ihr nur stark reduzierten Schaden davon (nahezu nichts) – das ist quasi eine Einladung zu einem Duell. Wenn ihr sie ablehnen wollt, dann schießt nicht auf ihn, in der Regel gehen die Spieler dann auch ihrer Wege, oder ihr schießt zurück, und das Duell beginnt mit vollem Schaden. Keine Sorge, ein Spieler mit Level 50 wird euren Level 10 Charakter nicht einfach mit einem Schuss ins Grab schicken, denn euer Schaden wird an das jeweilige Level angepasst. Was andere Interaktionen angeht: Das Spiel zwingt euch zu keiner einzigen mit anderen Spielern, und pro Server gibt es auch nur um die 30-40 weitere Spieler. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass bei dem ein oder anderen Event auch mal andere Spieler mit dabei sind um dieses abzuschließen. Es ist auch anzumerken, dass der ein oder andere Kampf gegen Gegner allein logischerweise schwieriger ist, als in einer Gruppe, vor allem, weil sich im Zweifelsfall alle Gegner nur auf euch stürzen. Ansonsten spielt sich das Spiel alleine wie ein normales Fallout-Spiel, nur ohne NPCs.

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Wenn ihr hingegen Multiplayer-Fan seid, dann wird habt ihr bereits gelesen, was bei zufälligen Begegnungen möglich ist. Allerdings gibt es auch noch gewollte Begegnungen, egal ob PvP oder mit Freunden. Für den PvP ist es neben den bereits erwähnten Duellen auch möglich, einen bestimmten Radiosender einzustellen, welcher euch in die Warteliste eines Modus stellt, in dem vier Spieler gegeneinander antreten. Jeder Spieler bekommt einen anderen Spieler als Ziel gesetzt, diesen gilt es zu erreichen und zu besiegen – der Clou ist, dass man sich nicht gegenseitig jagt, also jagt ihr einen Spieler, dieser einen anderen und irgendeiner wird auch euch jagen, wer als erstes sein Ziel eliminiert hat, hat die Runde gewonnen. Und was das Spielen mit Freunden angeht: Ihr könnt typische Gruppen formen, in welchen ihr euch gegenseitig keinen Schaden machen könnt, und zu dem jeweils anderen kostenlos schnellreisen kann. Mit Headset und Freunden macht das Erkunden der Welt wirklich spaß, und die Gegner(-gruppen) sind in der Gruppe auch leichter, bzw. stärkere Gegner können nun auch einfacher besiegt werden. Der Nachteil in Gruppen ist, dass man wohl eher weniger von der Story mitbekommt. Die Holotape-Aufnahmen dauern sind meist recht umfangreich und es wird viel erzählt, was dann auch bedeuten würde, dass eure Freunde für eben diese Zeit man komplett ruhig sein sollten. Ich habe dadurch bei einigen Missionen mit Freunden zusammen, nicht wirklich mitbekommen, um was es eigentlich geht und wieso ich von A nach B gehe oder was das Schicksal der Person war, deren Holotape ich gerade gefunden habe. Klar, man kann, wenn man mal alleine ist, all das nachholen, aber wer macht das schon? Es werden die typischen Fallout-Geschichten erzählt, jedoch kommt die Stimmung, wenn man mit Freunden unterwegs ist, logischerweise nicht auf. Hier muss ich allerdings auch anfügen, dass die Holotapes -welche endlich etwas menschliche Stimmen in das Spiel bringen- oft viel zu lang sind, um in einem Spiel, voller Gegner, Schüsse und anderen überlappenden Geräuschen komplett angehört zu werden, und nach einem gefühlten 5 Minuten Monolog, möchte man es auch wirklich nicht nochmal von Vorn anhören, um das verpasste zu wiederholen.

Fazit

Mit als eingefleischtem Fallout-Fan und Solospieler hat Fallout 76 entgegen meiner Erwartungen sehr gut gefallen. Natürlich macht es in Gruppen Spaß, einfach mal die Welt zu durchstreifen, aber auch alleine ist es zu großen Teilen die klassische Fallout-Erfahrung. Es gibt extrem viel zu entdecken und zu sammeln, die Survival-Aspekte geben dem ganzen noch ein nettes extra, sind aber nicht zu hart, sodass es von jedem Survival-Hasser gut ertragen werden kann. Sehr angenehm ist der PvP, der quasi auf beidseitiger Zustimmung basiert und, dass man bei einem Tod nicht wirklich etwas verliert. Leider sorgt das Fehlen von menschlichen NPCs für fehlende Emotionen, die die Holotapes nicht wettmachen können, da diese zu lange dauern, um beim normalen Weiterspielen vollständig gehört und verstanden zu werden. Und das Ressourcen sammeln wird immer wieder auch zu einer etwas nervigen Nebenaktivität.

Für das absolut Abschließende Fazit ist es allerdings noch zu früh, da Bethesda angekündigt hat, kontinuierliche Patches mit Verbesserungen zu veröffentlichen und da wir noch nicht in den Geschmack des Endgames kommen konnten.

Good

  • Für Multiplayer- und Singleplayer-Erlebnisse geeignet
  • PvP basiert auf beidseitiger Zustimmung
  • Fühlt sich zu großen Teilen auch nach „Fallout“ an
  • Wunderschöne Umgebung
  • Kaum Bestrafung bei Tod
  • Keine erzwungene Interaktion mit anderen Spielern

Bad

  • Fehlende menschliche NPC führen zu fehlenden Emotionen
  • Holotapes zu lang um während des Spielens angehört zu werden
  • Für Solo-Spieler zum Teil recht schwer
  • Stealth-Gameplay sehr schwer durchführbar
8.7

Toll

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