Wie der eSport den klassischen Sport neu definiert

In den letzten Monaten und Jahren hat der eSport immer mehr an Popularität gewonnen. Unter den Games gibt es bekanntlich eine große Auswahl, die sich in sämtliche Genres ausbreitet, ob Egoshooter oder MMO. Angesichts der steigenden Beliebtheit kommt den Entwicklungen im eSport-Sektor eine zunehmend große Bedeutung zu. Entsprechend definieren die Games den klassischen Sport immer öfter neu, wie es etwa der Poker zur Jahrtausendwende ebenfalls tat.

Was ist ein Sport und wie passen eSport und Poker in das Konzept?

Das Publikum verfolgt eine eSport-Partie live vor Ort. – Quelle: Unsplash

Wer an den klassischen Sport denkt, dem kommen zuerst typische in Deutschland beliebte Disziplinen in den Sinn. Da ist zum Beispiel der Fußball, der hierzulande sowohl medial als auch gesellschaftlich den Ton im Sport angibt. Diese Stellung hat sich der Fußball über viele Jahrzehnte erarbeitet, als er sich längst professionell aufstellte, während sich andere Sportarten noch in den Kinderschuhen befanden. Handball, Eishockey und Basketball haben hierzulande ebenfalls viele Fans und repräsentieren den Teamsport wie es Tennis und Golf bei den Individualsportarten tun. Zuletzt kamen immer öfter Diskussionen darüber auf, ob auch der eSport zu dieser Liste gezählt werden könne, da er angesichts steigender Zuschauerzahlen und höheren Sponsoreninteresses häufiger im Fokus steht. Doch sind League of Legends, Counter Strike: Global Offensive, Dota 2 oder FIFA wirklich zur Liste der Sportarten zu zählen?

Per Definition handelt es sich bei einer Sportart um ein Teilgebiet des Sports, das einer bestimmten Regelstruktur unterliegt. Dabei kann ein Sport in verschiedene Disziplinen unterschieden werden. Bestes Beispiel dafür ist etwa die Leichtathletik, in der es nicht nur den 100-Meter-Sprint und den Marathon gibt, sondern ebenfalls Speerwerfen und Kugelstoßen. Selbst der Motorsport teilt sich auf verschiedene Automobil- und Motorradklassen auf. Eine solche Struktur besteht durchaus im eSport. Schließlich handelt es sich bei einem Fußballspiel wie FIFA und ein völlig anderes Konzept als beim Fantasy-Klassiker League of Legends. Beide haben dennoch ihre treue Spieler- und Fanbasis. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich in einer Stellungnahme trotzdem klar gegen den eSport als offiziellen Sport positioniert. Vielmehr empfahl der DOSB seinen Mitgliedsverbänden, Computerspiele als eigene Unterdisziplinen aufzunehmen, wenn sie zum jeweiligen Sport passen, also zum Beispiel FIFA im Fußball oder Madden im American Football. Dieses Statement brachte dem DOSB innerhalb der eSport-Industrie viel Kritik ein.

eSport vor den gleichen Schwierigkeiten wie Poker

Sowohl der eSport als auch Strategiespiele wie Poker sehen sich jedoch genau in dieser Kategorie, in der eine Sportart wie Schach geführt wird. Und wer sich in den letzten Jahren das Programm von Sport1 anschaute, fand (und findet) dort regelmäßig Übertragungen großer Turniere. Für den eSport hat das Unternehmen nun sogar einen eigenen Kanal aus der Taufe gehoben, auf dem die besten Gamer jeden Tag ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Vor allem zu Beginn seiner Existenz hatte der eSport jedoch mit denselben Problemen zu kämpfen, die zuvor Poker auszeichneten. Erst der Pokerboom zwischen 2003 und 2006 brachte das Kartenspiel auf die große Bühne, die es seitdem nicht mehr verließ. Vor allem die Variante Texas Hold’em konnte unzählige neue Spieler für sich gewinnen, die das Spiel ihrerseits durch Mundpropaganda weitertrugen.

Insbesondere die Erfolge des heute legendären Chris Moneymaker im Mai 2003 sorgten dafür, dass Poker ganz neue Anerkennung fand, die ihm zuvor verwehrt geblieben war. Vom angestaubten Spiel im Obergeschoss der lokalen Spielbank wanderte Poker auf die Frontseiten in Internet und Print. Der eSport durfte sich vor allem aufgrund zweier Dinge über seine Ausbreitung freuen. Auf der einen Seite steht der Streaming-Dienst Twitch, welcher die perfekte Grundlage bietet, um beliebte sowie eher unbekannte Games zu streamen und auf eine riesige Nutzeranzahl kommt. Im April 2020 wurde Twitch insgesamt 897 Millionen Mal aufgerufen. Das zweite Argument für die steigende Bekanntheit des eSports sind die Preisgelder, die analog zum Poker immer weiter stiegen, je mehr Zuschauer und Sponsoren gewonnen werden konnten. Der Preispool beim bekannten Dota-2-Turnier The International stieg dank explodierender Spielerzahlen von 1,6 Millionen US-Dollar (2011) auf zuletzt über 34 Millionen US-Dollar (2019). Entsprechend viele Artikel gab es nicht nur online über das Turnier in Shanghai zu lesen.

Die Gemeinsamkeiten von eSport und Poker

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Poker hat mit dem eSport einige auffällige Gemeinsamkeiten

Schon die oben genannten Punkte zeigen die Vielzahl an Gemeinsamkeiten, die eSport und Poker aufweisen. Doch es endet nicht bei diesen, ist doch die wohl größte Gemeinsamkeit der strategische Faktor. Dieser ist deutlich höher als in vielen klassischen Sportarten. Beim Weitsprung geht es etwa „nur“ darum, in jedem Satz eine möglichst hohe Distanz zu überqueren, während auch beim Kugelstoßen das Sportgerät „nur“ so weit wie möglich fliegen soll. eSport und Poker hingegen vertrauen auf ein hohes Maß an Strategie, was beide so erfolgreich und beliebt macht. Die vielen verschiedenen Poker-Varianten, die auf dem PC und mobil spielbar sind, umfassen dabei nicht nur Hold’em, sondern ebenfalls Omaha, Omaha Hi Lo, 7 Card Stud, SNAP, BLAST und Pick’em. Bei so großer Auswahl wird selbst dem größten Pokerprofi nicht langweilig, da er sich in einem bekannten Spielprinzip mit immer neuen und spannenden Regeln versuchen kann. Vor allem für neue Spieler ist Poker somit höchst attraktiv, da sich auf einen Schlag eine ganz neue Spielewelt eröffnet.

Das Gleiche ist im eSport der Fall, wo die beliebtesten Spiele oftmals bereits günstig zu haben sind und sich somit für alle Interessenten eignen. So kostet Rocket League bei Steam 19,99 Euro, während ein Spiel wie Dota 2 komplett kostenfrei ist. Entsprechend hoch ist die Rate der neuen Spieler, die sich ohne Zeitdruck an das Spiel gewöhnen können und dann oftmals Interesse am professionellen Spiel besitzen. Ob sie dafür gut genug sind, ist zwar eine andere Frage, die jedoch keinen weiteren Einfluss auf die Popularität selbst besitzt. Und somit muss auch bei aller Ablehnung als offizielle Sportart vonseiten des DOSB konstatiert werden, dass der eSport zeigt, wie es auch ohne Unterstützung aus der Politik geht. Das liegt daran, dass die Unterstützung von Fans und Sponsoren längst so groß ist, sodass die Entscheidung kurzfristig völlig irrelevant ist. Letztlich ist es die Gesellschaft, die definiert, was ein Sport ist und wie klassische Sportarten neu definiert werden

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