Die Angst vor weiblichen Charakteren

Life is strange Chaos Theory EP3

Quelle: Square Enix

Als die Debatte um Aloy publik wurde, war ich verwirrt und verärgert zugleich. Sony hatte Angst, einen weiblichen Hauptcharakter zu benutzen, weil… na ja, weil er weiblich ist. Oh, die Ironie, sie ist so süß. Diese Angst ist überhaupt nicht albern, denn einer der Spiel-Klassiker namens Tomb Raider handelt glücklicherweise nicht von einem weiblichen Charakter namens Lara Croft. Zum Glück ist diese Frau nicht heiß geliebt, begehrt und ein unabdingbarer Bestandteil der Gamer-Szene.

Wenigstens war Ubisoft mit dieser Sorge nicht allein. Die liebenswerte Max aus Life Is Strange musste auch um ihr Leben bangen, denn viele Publisher waren besorgt um Max‘ Geschlecht. Square Enix hat sich dann entschlossen, Max keiner Geschlechtsumwandlung zu unterziehen und sollte dies nicht bereuen. Life Is Strange schlug ein wie eine Bombe – ich war sehr begeistert von dem Spiel (ungeachtet dem Geschlecht des Hauptcharakters!). Aber es hinterlässt doch einen bitteren Beigeschmack, wenn die Publisher so ein Theater machen um das Geschlecht eines Hauptcharakters. Als ob Uncharted, The Witcher, The Legend of Zelda und viele andere Spiele plötzlich unspielbar werden, wenn statt eines Mannes eine Frau die Welt rettet. Es macht für mich einfach keinen Sinn, warum das Geschlecht so bedeutend ist. Ich dachte, wir hätten das finstere Mittelalter verlassen, in dem der Mann der Held und die Frau die Küchenheldin ist. Ich dachte, Aloy könnte genauso taff sein wie Geralt, ohne dass jeder darauf schaut, was in der Hose ist. Wieso spielt es denn noch eine Rolle, welches Geschlecht der Held hat?

Andere Seite der Medaille: Es gibt viele männliche Spieler, die bei einem Spiel trotzdem zu einem weiblichen Charakter greifen. Die Gründe können vielseitig sein – vielleicht will Mann mal eine Frau sein (wenn es schon in der Realität kaum möglich ist), vielleicht mehr Spaß an einer weiblichen Kompanin, vielleicht will man lieber hunderte Stunden lang einer Frau auf den Arsch gucken als einem Kerl. So verschieden die Gründe auch sind, keiner heult herum, weil er eine Frau spielt. Wenn ein großer Teil der Gamer kein Problem mit weiblichen Charakteren hat, warum machen die großen Publisher dann so ein großes Spektakel daraus?

Und die Moral von der Geschicht: Weibliche Hauptcharaktere haben auch viel Potenzial. Eine Aloy, eine Lara, eine Ciri oder eine Max sind genauso gut wie ein Nathan Drake, ein Geralt von Riva oder ein Link. Etablierte Charaktere zeigen doch, dass das Geschlecht unwichtig ist; sie überzeugen einfach ihres Charakters, ihrer Geschichte und ihrer Fähigkeit wegen die Massen. Die Spieler haben bereits kapiert, dass Horizon:Zero Dawn mit Aloy sehr gut geworden ist und dass die Sorge um ihr Geschlecht unbegründet war. Eigentlich sollte es keine Sorge mehr sein und ich würde mich freuen, wenn weibliche wie männliche Charaktere von den Publishern gleichermaßen geschätzt werden würden. Ich würde mich sogar noch mehr freuen, wenn wir mehr weibliche Helden begrüßen dürfen. Lara Croft war eine Pionierin, und sie kann meiner Meinung nach ruhig mehr Nachfolger haben.

GP-Anna

Ich bin frisch eingezogen im Nerd-Kosmos. Großer Fan von Rollenspielen, Fantasy und Fernseh-Serien. Bei Fragen oder Kommentaren einfach hier melden: anna.eisenmann@gamersplatform.de

  • Eigentlich eine schöne Kolumne, der ich nur zustimmen möchte, ich liebe weibliche Hauptcharaktere. Finde jedoch, der Artikel ist etwas hastig verfasst und reißt alle Punkte im Schnellgang einmal sehr kurz an, wie nach Strichliste. Und die ersten zwei Sätze sind leider etwas irritierend, was hat Aloy mit Ubisoft zu tun?

Lost Password