Kolumne: Was man sich von Spielen erwartet

Als Reporter und Spieletester – wie ich selbst einer bin – steht man vor seiner ersten Headline, seinem ersten Artikel und seiner ersten Spielereview vor der alles entscheidenden Frage: Was erwarte ich von Spielen und wie beurteile ich sie?

Die Frage nach der Beurteilung eines Spiels ist aber durch und durch knifflig zu betrachten. So gibt es zum einen die Möglichkeit, ein Spiel gnadenlos nach Fehlern zu durchforsten, um letztendlich darauf hinzuweisen, dass dies und jenes Game immer noch nicht das perfekte Spiel in den Augen des Schreiberlings geworden ist, und zum anderen kann man alles durch seine rosarote Brille betrachtend fluffig und perfekt reden. Komisch, dass man letzteres hingegen nicht sieht. Nein, natürlich ist das nicht komisch. Aber immer mehr häuft sich die erste Variante. Gehen wir also anders an das Thema heran:

Die Technik formt unsere Welt, alles wird schnell und rasant, bla bla bla. Das kennen wir von unseren Eltern und Großeltern. Natürlich werden von diesem Trend alle Medien und Industriezweige erwischt, so natürlich auch der allzu boomende Videospielwahn. Die Games sehen immer schöner aus, die Spielzeit wird länger, die Möglichkeiten reichen bis in die unendlichen Weiten des Mainboards – oder so ähnlich. Doch typisch für den Menschen will er immer mehr und mehr. Hat man eine Scheibe Toast, isst man diese auch lieber mit etwas Erdbeermarmelade und getoastet anstatt einfach so trocken und wabbelig.

Doch nun muss man sich einfach fragen, ob manchmal weniger doch mehr ist. Mein Appell soll heißen: Würdigt den alten Atari und das gute, altbekannte Snake auf eurem mit Staub umwachsenen grauen Nokia-Telefon, mit dem man noch nicht den Fernseher steuern oder sich die Pizza nach Hause liefern konnte!

Aber so extrem möchte ich die Tatsachen auch nicht verdrehen: Die Grafik eines Uncharted 3, die endlosen Möglichkeiten eines The Elder Scrolls V: Skyrim und der Realismus hinter dem Steuer eines Need for Speed: The Run lassen auch mein Herz höher schlagen. Doch werden immer wieder Spieleknaller so schnell in Grund und Boden gestampft, weil irgendetwas nicht stimmt, seien es die Texturen in einem Dungeon, eine Waffe, die imba (für alle nicht Gamer: „überstark“) den anderen gegenüber ist, oder nur eine nicht perfekt gelungene Lippensynchronisation. Wieso? Macht euch deswegen das Spiel wirklich keinen Spaß? Ich kenne das selber, dass man sich maßlos über eine kleine Sache beschwert und darauf bin ich als Spieletester auch erpicht, diese „Fehlerchen“ zu finden, doch war das Spielemedium nicht einst als reine Freude gedacht?

Es entstand aus einer kleinen Idee die erste „Spielkonsole“ mit nur einem Knopf als Trost für die Menschen, die durch den Kalten Krieg zu leiden hatten. Glaubt ihr nicht? Ist aber so. Ich möchte keine Moralpredigt halten, im Gegenteil: Ich möchte euch den Spaß am Spielen zurückgeben!

Also los, schnappt euch Space Invaders oder Zelda (Nein, ich meine nicht das neue Zelda. Nein, und auch nicht Oracle of Seasons. Nein, und auch nicht Link’s Awakening von 1993. Sondern das Original: The Legend of Zelda) und spielt es. Spielt es durch und lasst euch dadurch von den Socken hauen, dass ihr bemerkt, wie viel Spaß man auch damals schon mit Spielen hatte, als man noch nicht alles als verbitterten Wettkampf um das beste Game oder den größten Publisher sah. Und danach nehmt ihr genau das letzte, neue Game zur Hand, was euch wegen nur einer kleinen Sache auf die Palme getrieben habt, und zockt es erneut. Ihr werdet verblüfft sein!

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