Mikrotransaktionen – ein zweischneidiges Schwert?

Geld ausgeben in Videospielen ist schon seit längerer Zeit ein Trend. Entwickler veröffentlichen ihre Spiele kostenlos oder für wenig Geld und ermöglichen durch Ingame-Käufe weitere Inhalte freizuschalten.  Dabei kann es sich wie in den Spielen von Blizzard Entertainment um Kartenpackungen, Lootboxen mit Gegenständen kosmetischer Natur oder auch Reittiere handeln. Andere Spiele ermöglichen es, dass man durch einen Ingame-Kauf schneller vorankommt. Hier wird dann schnell mal aus einem Free-to-Play-Spiel ein Pay-to-Win-Titel, wo der Spieler zusätzlich noch durch Anzeigen verleitet wird sein Geld auszugeben. Anhand einiger Beispiele möchte ich meine Erfahrungen schildern.

Lange Zeit konnte ich mich dem Reiz an Mikrotransaktionen erfolgreich widersetzen, doch dann kamen Spiele wie Rocket League und HearthStone, die geschickt Jagd auf euren Geldbeutel machen. Wer sich auf dem PC mit Spielen wie League of Legends beschäftigt, der wird bestimmt die Riot Points kennen, mit denen man sich eine Vielzahl verschiedener Artikel zulegen kann. Hauptsächlich geht es hier um Skins, also neue Kostüme für die Helden. Dies ist auch bei anderen MOBA-Vertretern der Fall und wenn man als aktiver Spieler viel Zeit mit seinen Lieblingshelden verbringt, dann möchte man sich gegebenenfalls irgendwie vom Rest absetzen. In optischer Hinsicht ist dies dann die einzige Möglichkeit und während man beispielsweise in einem Overwatch die Skins noch mit Ingame-Währung freischalten kann, ist dies nicht überall der Fall. Andererseits kann man natürlich sagen, dass wenn ein Titel kostenlos angeboten wird – man gerne etwas Geld investiert und die Entwickler unterstützt.

Aufpassen muss man allerdings, dass diese Käufe nicht in Unsummen enden. Ingame-Käufe können süchtig machen und meistens geht es dann gar nicht mehr um ein bestimmtes Teil für seinen Lieblingscharakter sondern um ALLES. Die Versuchung ist groß und der Drang nach mehr kann sich sehr negativ auf den Geldbeutel auswirken. Zusätzlich ist bei einem Spiel wie Overwatch noch nicht einmal gewährt, dass man in einer Lootbox  etwas „Tolles“ bekommt. Ebenso war dies der Fall, als ich meine ersten Schlüssel in Rocket League gekauft habe. Ich fahre lediglich mit einem Fahrzeug und habe in 10 Truhen nur einen nutzbaren Gegenstand erhalten. Hier muss man allerdings sagen, dass es eine Handelsoption gibt, in der man seinen anderen Kram dann unter die Leute bringen kann. Je nachdem wie die Mikrotransaktionen aufgebaut sind, kann es also ebenso Frust als auch Freude bereiten. Die Überraschungspakete sind hier ein Dorn im Auge und meiner Meinung nach die schwachsinnigste Realisierung einer Mikrotransaktion. Warum kann ich mein Geld nicht einfach für das ausgeben, was ich wirklich möchte?

Bei einem Kartenspiel wie HearthStone kaufe ich ebenfalls Packungen mit zufälligen Karten. Hier verstehe ich die Methode, da ich früher selbst echte Kartenspiele wie Magic, Yu-Gi-Oh oder Pokémon gespielt habe und ständig zum Händler gerannt bin auf der Suche nach mehr Boostern. Leider wird es digital dann schnell zu einer Pay-to-Win-Variante, da man auf einem höheren Level einfach nicht mehr mit den Standardkarten mithalten kann. Besonders Interessant wird es dann bei saisonalen Events oder neuen Erweiterungen – wo spezielle Angebote aus dem Boden kriechen. Kaufen Sie 50 Packungen für den Preis von 45 – na klar! Warum nicht! Es ist Weihnachten und es gibt festliche Kostüme für alle deine Lieblingshelden! Ja her damit, ich will alles, da es nur für begrenzte Zeit verfügbar ist!!!

Die Entwickler wissen, wie wir als Konsumenten ticken und wie sie an unser Geld gelangen. Es bleibt nur zu sagen, dass man vor einem Kauf vielleicht zweimal drüber nachdenken sollte, ob es wirklich Sinn macht bzw. das ist was ihr wollt. Wenn nicht, dann sucht euch ein anderes Spiel, denn der Markt ist überschüttet mit Spielen die es nicht „nur“ auf euer Geld abgesehen haben. Viel Spaß beim Zocken!

 

Markus Janßen, Autor und Leiter -Indie Games-

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