The Order – 1886 im Test: Ist es das „Ordern“ wirklich wert?

Detailreichtum ohne Ende

Der größte Pluspunkt im Spiel ist auch der auffälligste. In puncto Optik liegt The Order: 1886 nämlich ganz weit vorne und lässt einen schon fast ungläubig werden, dass wir es mit einem PS4 Spiel zu tun haben. Zwar läuft das Spiel nur in 30 FPS bei 1080p, dafür aber durchgehend flüssig und die Grafik ist einfach nur der Wahnsinn. Alleine der erste Ausblick über London, wenn wir mit unserem Charakter auf den Balkon heraustreten ist atemberaubend. Die Weitsicht der vor uns liegenden Stadt, die Rauchschwaden aus den Schornsteinen, die sich bewegenden Zeppeline in der Ferne oder Vogelschwärme die über den Himmel ziehen, einfach all die kleinen Details die wir sehen, lassen uns den Mund trocken werden.

Hier gibt es keine Tapete, die irgendwo im Hintergrund klebt, sondern alles ist animiert, wirkt lebendig und organisch. Auch unsere ersten Bewegungen durch die verwinkelten Straßen ließen mich immer wieder innehalten um mir Kleinigkeiten anzuschauen. Sei es das Wohnzimmer eines Hauses oder die Markstände oder ein Labor. Es lässt sich verdammt schwer beschreiben, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht. Der Detailgrad ist einfach unglaublich hoch und in jedem Gegenstand den man betrachtet kann man Winzigkeiten erkennen, mit denen sich die Entwickler Mühe gegeben haben. Seien es Holzmaserungen, abgenutzte Ecken von Gegenständen, verschmutzte Straßen, abgeblätterter Putz und vieles mehr.

The Order 1886 Batterie

Quelle: Sony

Auch an den Charakteren kann man diese Liebe zum Detail erkennen. Teilweise sind die Gesichter so deutlich animiert, dass einzelne Poren zu erkennen sind, aber auch die komplette Kleidung mit ihren Knöpfen, den organischen Faltenwurf, die Beleuchtung von Metall oder Stoff, es ist einfach oppulent und unglaublich, was die Entwickler hier geschaffen haben. Selbst die Animationen der Passanten und anderen Charaktere sieht unglaublich gut aus. Noch erstaunter ist man dann, wenn man merkt, dass es einen nahtlosen Übergang zwischen Zwischensequenz und Spiel gibt, da beides auch genau gleich aussieht, es also scheinbar wirklich keine veränderte Grafik in den Zwischensequenzen gibt, sondern es Spielengine ist. Immer wieder gab es Szenen, in denen ich wartete, dass etwas passiert, da ich nicht merkte, dass das Spiel mit der Sequenz zu Ende war, da alles so übergangslos ineinander übergreift. Vor allem fällt einem auch schnell auf, dass es eigentlich keine Ladezeiten zwischen den Kapiteln gibt.

So beindruckend das ganze natürlich aussieh, und man sich fast verlieren kann dadrin, so gibt es natürlich dennoch auch etwas auszusetzen. Zum einen läuft das Spiel die ganze Zeit im 21:9 Modus, wie auch schon The Evil Within. Folglich habt ihr oben und unten schwarze Balken, die den Bildausschnitt verkleinern. Angeblich soll dies auch hier wieder für ein cineastisches Erlebnis sorgen, dennoch sehe ich auch Filme lieber auf dem ganzen Schirm und so sollen auch meine Spiele sein. Natürlich könnte es möglich sein, dass dieser Zug notwendig war, damit die Entwickler ein paar Pixel einsparen konnten, damit das Spiel diesen Output überhaupt erbringen kann.

The Order 1886 abseilen

Quelle: Sony

Eine weitere, eher witzige Sache, fällt einem auf, wenn man in spiegelnde Objekte schaut. So ist es auch hier natürlich beeindruckend, dass selbst in Glas realistische Spiegelung der Umgebung eingebaut werden und je nach Glastyp, z.B. Bleiglas, dies anders aussieht, komischerweise spiegelt sich unser Alter Ego nicht. Wenn wir zufällig eine Lampe halten, sehen wir zwar den Lichtschein im Spiegel, aber sonst nichts von uns, keine Waffen, keine Kleidung, nichts. Dieses kleine Detail ist zwar nicht unbedingt wichtig, fällt aber in einem sonst so runden grafischen Prachtstück dann doch eher auf.

The Order 1886 Küche

Quelle: Sony

Auch auf Deutsch was für die Ohren

In Puncto Synchro gibt es ansich auch nichts zu meckern. Sicherlich klingt die englische immer noch einen Tacken besser, aber die deutschen Sprecher machen einen sehr guten Job, gerade was auch die Akzente von Lafayette oder Tesla angehen. Lediglich die Rebellenanführerin ist nicht ganz so gut getroffen hinsichtlich ihrer Abstammung, aber in Emotionalität und Ausdruck machen alle einen guten Job und es ist auch fast immer Lippenynchron. Zu dem guten Aussehen der Waffen gibt es natürlich auch die passenden Geräusche und macht das Zusammenspiel perfekt. Wuchtig und glaubwürdig kommt der Sound aus den Lautsprechern rüber.

Gerade hier wurde auch wieder auf Kleinigkeiten geachtet, wie z.B. die verschiedenen Geräusche die unterschiedliche Böden machen. Sollte heutzutage zwar selbstverständlich sein, ist es aber nicht immer. Musik wird meist dezent eingesetzt um Spannung aufzubauen in Kämpfen oder vor großen Ereignissen als kleine Vorankündigung. Wo sie aber nicht benötigt wird, wird sie auch weggelassen und dafür mit genug Umgebungsgeräuschen kompensiert. Dies macht die Welt und Erkundung glaubwürdig oder wer glaubt ernsthaft, dass die ganze Zeit in dunklen Ubahntunneln Musik durch die Lautsprecher tönt?

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Gamer aus Leidenschaft, Nerd aus Liebe, Liebhaber aller Konsolen Bei Fragen, Anregungen, Wünschen oder einfach Small Talk schreibt mir an sascha.mensfeld@gamersplatform.de

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